Ausstellungen: Düsseldorf · von Jochen Becker · S. 347
Ausstellungen: Düsseldorf , 1992

Jochen Becker

Avantgarde & Kampagne

Kunsthalle Düsseldorf, 18. – 27.9.1992

„Werbung ist Kunst.“ Mit diesem inzwischen zehn Jahre alten Bonmot, durch ein gleichnamiges Buch dick unterstrichen, machte sich Michael Schirner zum Wortführer einer Aufwertung des gemeinen Werbefritzen. Neo-Pop-Art, Lifestyle-Magazine, explodierende Werbezeiten im Privat-TV und steigende Konsumfreudigkeit bildeten in den 80ern den idealen Nährboden für Schirners ausgefallene Kampagnen, welche in raffinierten Feldzügen für eine Bochumer Fleischfabrikation („Das ist unterschwellige Werbung für einen Kochschinken von Zimbo“) gipfelten. Doch die fetten Jahre sind vorbei: Die Wirtschaft achtet genauer auf die Effizienz ihrer Etats, die Tagespolitik signalisiert Krisenstimmung. Einzig Bennetons Desaster-Reklame schlägt sogar daraus noch kräftig Kapital.

Michael Schirner, durch seine Beteiligung am Berliner Olympia-2000-Skandal bis auf die Titelseite einer Boulevardzeitung vorgedrungen, und Jürgen Harten, der als Chef der städtischen Kunsthalle gegen ausgedünnte Budgets kämpft, schlossen sich zu einer Notgemeinschaft zusammen: Dem einen fehlt das Image, dem anderen das Geld. Gemeinsam entwickelten sie die Idee einer zwischengeschobenen, gerade zehntägigen Ausstellung mit dem Doppeltitel „Avantgarde & Kampagne“/“ART meets ADS“.

Kunst und Werbung sind sich irgendwie ähnlich, sagten sich die beiden gebeutelten Chefs. Doch die aufgefundenen Überschneidungen fielen eher oberflächlich aus: Jeff Koons Riesenposter für seinen fiktiven Porno „Made in Heaven“ hängt neben Bennetons Reality-Plakaten, während Thomas Grünfeld mit einer Wandarbeit aus Ratten, die sich in den Schwanz beißen, die Plakatfläche der Superposter noch zu übertrumpfen suchte. Die simulierte Fluglinie Ingold Airline konkurriert mit den simulierten Strichjungen für Levi’s; eine gefakte Stoffmusterabteilung und die ausgestopfte Milka-Kuh stehen sich einträchtig-beziehungslos gegenüber. Konflikte oder Differenzen, sollten sie sich innerhalb der Schau äußern, werden…

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