Titel: Kunst und Humor · von Norbert Messler · S. 186
Titel: Kunst und Humor , 1992

Allemallachen: Büttner, Oehlen, Kippenberger, Herold

VON NORBERT MESSLER

Auf die Frage, ob sie eine Gruppe bilden, die unter anderem ihn selbst und Albert Oehlen miteinbezieht, antwortet Georg Herold:

Es ist schwierig, eine Gruppe zu definieren!Allerdings möchte ich an meine Latte erinnern:Gemeinsam sind wir Arschlöcher.1

Somit tut man ihnen wahrscheinlich unrecht, wollte man Büttner, Oehlen, Kippenberger und Herold als Gruppe definieren, womöglich als eine mit Gesamtkonzept. Ebenso unzureichend wäre es, sie allein auf die humorige Note in ihren Werken festzulegen. Schon längst als individuell wichtige Erscheinungen der 80er Jahre erkannt, werden sie aber immer wieder als böse „Boys in the Bande“2 verschrien, geliebt, gehat, gefürchtet, geächtet, ignoriert oder als „Narren“3 abgetan. Sowohl mit einzelnen wie auch mit gemeinsamen Unternehmungen – Ausstellungen, Aktionen; Bilder, Bücher; Reisen, Reden – treten sie ins Rampenlicht und häufig genug ins Fettnäpfchen, so da man zwar wei, da sich ihr Humor im Glossieren von Alltagserscheinungen entladen kann, im zynischen Kommentieren der Daseinsuntauglichkeit der Kunst als Luxusgegenstand, im Veräppeln der Rezeptionsgemeinschaft, im nagenden Kitzeln an den bequem hochgelegten Fusohlen kleinbürgerlicher sozialer Wirklichkeit. Da aber dieser Humor weh tut und beileibe nicht immer lustig ist, wei man auch. Denn bei diesen Künstlern handelt es sich ja nicht um Humoristen oder um Komiker, die, sozusagen aus narrenfreiheitlicher Position heraus, seit Jahren ihr schalkhaftes Unwesen treiben. Im Gegenteil: Hinter allem verbergen sich, mehr oder weniger gut, mehr oder weniger schlecht, die vielen schwer durchschaubaren Prozesse, die die komplizierten Verbindungen zwischen Kunst, Politik, Wirtschaft, Kultur- und Konsumgesellschaft begleiten, allen Ernstes.

Es geht ihnen oft und immer wieder…

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