Titel: Kunst und Humor · von Jürgen Raap · S. 176
Titel: Kunst und Humor , 1992

»Subversive Kraft des Humors nie unterschätzt…«

JÜRGEN RAAP IM GESPRÄCH MIT GERHARD THEEWEN UND HEINZ ZOLPER

J.R.: Ihr habt in den siebziger Jahren beide etwa zur gleichen Zeit angefangen, Künstlerzeitschriften herauszugeben: Dabei spielte sowohl in „palazzo“ (Zolper) wie „Salon“ (Theewen) der Humor in der Kunst eine nicht unwesentliche Rolle. Was bedeutet denn Humor allgemein oder künstlerischer Humor speziell in Hinblick auf die heutigen Existenzbedingungen?

H.Z.: Haupttriebfeder ist wohl die Bewältigung der Langeweile im alltäglichen Leben, und diese Bewältigung ist zeitlich nicht unbegrenzt: Der Betreffende weiß, daß er hierzu nur einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung hat, der nach hinten offen ist …

… auch das Ergebnis dieser Bewältigungsbemühungen, Kurzweil oder Ablenkung, ist von flüchtiger Dauer.

H.Z.: Ja, aber worauf ich hinweisen will, ist das Bewußtsein des Menschen für die (eigene) Endlichkeit. Dieses löst Angst vor dem eigenen Tod aus, auf die der Mensch mit Überwindungs- und Verdrängungsmechanismen reagiert: Er stürzt sich in die Arbeit oder auf Projekte der wissenschaftlichen Entdeckung und Erfindung, auf Kunst usw. In diesem Überwindungsstreben artikuliert sich dann auch Humor in seinen vielfältigen Erscheinungsformen bis hin zu Sarkasmus und Zynismus. Die jeweilige Haltung mag individuell verschieden sein, und sie ist auch nicht immer kommunizierbar, wenn der andere den Witz nicht versteht oder gar beleidigt reagiert.

G.T.: Die von dir gerade geschilderte Bewältigung von Existenzangst oder Nichtwissen als „Geburtshelfer“ für das Entstehen von Humor hat ja Ende des 19. Jahrhunderts der Dichter Otto Julius Bierbaum auf die Formel gebracht: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Wenn man sich angesichts der Erkenntnis, daß alles Irdische…

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