Titel: Kunst und Humor , 1992

Kunst und Humor

EINE PHILOSOPHISCHE EINFÜHRUNG IN DAS THEMA

VON GÜNTER SCHULTE

Kunst macht man, Humor hat man. Beides wird gemeinhin positiv bewertet. Doch des Humors bedarf es nicht, um Kunst zu machen. Und wer Humor hat, braucht auch kein Künstler zu sein, erst recht kein Humorist. Manche Kunst zeugt allerdings vom Humor des Künstlers. Und oft ist ohne Humor Kunst kaum zu ertragen. Mag am Ende (der Kunst) der Humor menschlicher sein als die Kunst, so doch nicht am Anfang: Da war die Kunst, und nicht der Humor. – Denn wessen humoristischer Einfall sollte das menschliche Leben gewesen sein, das wir mit dem Tod bezahlen?

Was ist Kunst, was ist Humor? – Jedoch: Wer will das schon wissen? – Einer, der Kunst nicht kann und Humor nicht hat? – Vergeht uns nicht beides über der Anstrengung des Begriffs von beidem? – Der Humor ist weg, wenn wir etwas todernst nehmen – und sei es das Denken. Die Kunst ist verfehlt, sofern das, was wir ernst nehmen, nicht ein Spiel bleibt. Als Spiel ist die Kunst heiter und steht mit dem Humor auf einer Seite dem Leben gegenüber: auf der des Erhabenen, des Erhobenen. Als etwas Großes und ernsthaft Erhabenes, für das der „echte“ Künstler mit seiner Lebensaufgabe einsteht, wird die Kunst allerdings den relativierenden Humor abweisen. – Denkend erheben wir uns nun über beides, über Kunst und Humor.

2.

Offenbar war es das Schicksal der Kunst, sich auf den Humor einzulassen und sich dabei selbst zu verwandeln – so sehr, daß vor fast 200 Jahren…

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von Günter Schulte

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