Gespräche mit Künstlern · von Henk Visch · S. 288
Gespräche mit Künstlern , 1992

»Der Unterschied zwischen guter Kunst und schlechter Kunst hat kaum noch einen Wert«

EIN GESPRÄCH ZWISCHEN ULRICH MEISTER UND HENK VISCH

H.V.: Ulrich, wir haben das Glück gehabt, uns auf der documenta in Kassel kennengelernt zu haben, und wir haben dort über unsere Arbeit gesprochen. Mir ist jetzt etwas noch deutlicher geworden: Der Unterschied zwischen guter Kunst und schlechter Kunst hat eigentlich kaum noch einen Wert. Er bedeutet nichts mehr.

U.M.: In einer Fernsehzeitschrift war ein Bericht mit Fotos über ein Oldtimertreffen. Ein Bild zeigte die Oldtimer-Rennautos auf ihren Startpositionen. Ich habe mir überlegt, ob die jetzt ein Wettrennen machen – was ja eigentlich sinnlos wäre. Bei so schönen alten Rennautos kann es keinen Sieger geben. So ist es auch mit der Kunst. Kunst zu trennen in gute und schlechte Kunst ist sinnlos, das wird zu einem Wettrennen. „Der bessere Künstler“… das kann nicht das Ziel der Kunst sein. Zu sagen, das ist besser oder das ist schlechter, das ist gut oder das ist schlecht: In Zukunft sollten wir das überwinden. Oder was meinst du?

H.V.: Ich selbst denke eigentlich, daß Kunst gut ist. Schlecht ist nur das, was gesetzlich verboten ist. Wirklich. Gesetze sind Produkte unserer Kultur, unserer Wünsche und Ideale. Das alles ist irgendwie auch in Gesetzen ausgedrückt. Schlecht ist, was verboten ist, und all das andere ist im Grunde gut. Aber das würde bedeuten, daß wir mehr über „gut“ sagen müssen.

U.M.: Ja, ja. Wenn ich eine Ausstellung besuche, ordne ich sie ein auf eine bestimmte Qualität, auf eine bestimmte Ebene, und…

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