Titel: Kunst und Humor , 1992

Kunst und Komik

ASPEKTE DES HUMORS IN DER BILDENDEN KUNST

VON JÜRGEN RAAP

»Die Macht ist stark – stärker das Gelächter«
(Heinrich Lützeler)

»Ist die Welt selbst nicht sonderbar, daß sie uns Erscheinungen darbietet, die uns bei den ernstesten Dingen humoristisch und bei den lächerlichsten nachdenklich und feierlich stimmen?«
(Karl Julius Weber)

Manfred Wörner, im Jahre 1984 Bundesverteidigungsminister, dürfte gestaunt haben, als ihn der Brief des Künstlers Norman Junge erreichte, in welchem beklagt wurde, die Tradition der Schlachtenmalerei werde „heute kaum noch gepflegt“. Diese „aus dem Miterleben empfundene Darstellung“ sei von der „bloßen Fotografie verdrängt worden“. Junge wünschte, zwecks Wiederbelebung dieses Metiers „in den unmittelbaren Kontakt zur Truppe zu treten, um Handwerk und Alltag, Leistungen und Taten“ der Soldaten „künstlerisch festzuhalten“.

Wörners Referent stimmte zu: „Gemalte Darstellungen militärischen Lebens – Tagesbetrieb oder Manöver etc. – haben immer Interesse gefunden und dankbare Zuschauer angelockt.“ Gleichzeitig gab er aber zu bedenken, ob derlei Werke noch in die heutige Zeit paßten oder bei der Truppe selbst positiven Widerhall fänden. Daß just in jener Zeit, als die Friedensbewegung für ihre Demonstrationen Hunderttausende an Teilnehmern zu mobilisieren vermochte, ein Künstler bekannte, er ringe „um eine Darstellungsform, welche der modernen Kriegsführung angemessen ist“, mußte entweder einen zutiefst zynischen oder einen höchst kuriosen Eindruck hinterlassen. Die Militäroberen waren denn auch zunächst verunsichert; erst im Herbst 1986, nach gut achtzehnmonatiger Korrespondenz, ließen sie Norman Junge mit Zeichenblock und Stiften an der Heeresübung „Fränkischer Schild“ teilnehmen. „Genauso deplaziert wie die vorbeidümpelnde Gänseschar“ empfand der anwesende Reporter der „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen“ den „einzigen Schlachtenmaler Deutschlands“ im Manöver-…

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