Ausstellungen: Zürich · von Marius Babias · S. 361
Ausstellungen: Zürich , 1994

Marius Babias

Cloaca Maxima

Museum der Stadtentwässerung, Zürich, 10.6. – 30.10.1994

Nach Ausstellungen in der eigenen Küche, in der Stiftsbibliothek St. Gallen, im Hotel Krone (Gais, Appenzell), in einem Hotelzimmer des Charlton Palace, Paris, und an Bord der Fluggesellschaft Austrian Airlines hat Hans-Ulrich Obrist (26), an der Seite von Kasper König zum international bekannten Ausstellungsmacher aufgestiegen, nun seine Serie mit Projekten in der Peripherie des Ausstellungsbetriebs vervollständigt – gewissermaßen in der Toilette. Das Museum der Stadt-entwässerung, eine mit Kloschüsseln, Kanalkratzern und Kanalisationskarten vollgestopfte Baracke am Stadtrand von Zürich, schließt jenen dem Nahrungskreislauf parallel gesetzten Ausstellungszyklus, der 1991 in Obrists kleiner Küche in St. Gallen begann.

Damals hatten Boltanski, Bouabré, Feldmann, Gette, Paeffgen, Signer, Wentworth und Fischli/Weiss die Nahrungsaufnahme metaphorisiert, jetzt widmen sich Gilbert & George, Hans Haacke, Ilya Kabakov, Nancy Spero, Allan Kaprow, Mike Kelley, Maria Eichhorn, John Miller, Fabrice Hybert, Otto Mühl und Gerhard Richter allen Begleiterscheinungen der Defäkation. Ihre künstlerische Kanalarbeit fügt sich nahtlos in die Aufgaben einer Kläranlage. Einziger Unterschied: In den Werkshallen nebenan stinkt die Scheiße zum Himmel, nicht aber in den wohlfeilen Vitrinen des Museums, wo Kunstrelikte der Kot-Klassiker Manzoni, Duchamp, Gérard Gasiorowski und Dieter Roth ausliegen.

Daß der seit dem 16. Jahrhundert immer stärker tabuisierten Entsorgung der Zivilisation von ihren Abfällen eine Separierung des Privaten von der Öffentlichkeit und eine Sublimierung der Scheiße folgen muß, hat schon Dominique Laporte („Eine gelehrte Geschichte der Scheiße“) gewußt, aber noch nicht, daß das von Lebensmittelresten, Zigarettenstummeln, Windeln, Kondomen und Katzenstreu gereinigte Abwasser in den Kreislauf zurückgepumpt werden kann.

Anders die Künstlerinnen und Künstler…

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