Titel: Text-Foto-Geschichten , 1979

Jean le Gac

geb. 1936, lebt in Paris

Das Alibi des Malers
(Jean Le Gacs Künstlerfiktion)

Kunst über Literatur, Literatur über Kunst – der Fall bleibt unentschieden. Le Gacs Tun umkreist kein „Unbekanntes Meisterwerk“ à la Balzac, sondern den unbekannten Maler. Un dieser konzeptuelle Frenhofer scheint niemand anders als er selbst zu sein. Le Gac baut vor uns eine Künstlerfiktion auf, aber nicht, damit die Person daraus hervortrete, sondern um sie – oder sich – dahinter zu verbergen. Bei ihm verweisen die Bilder – es handelt sich ausschließlich um photographische Bilder -, auf die Texte und diese wiederum auf die Bilder. Eins scheint das andere zu erhellen, hintergeht aber auch dessen Anschein. Von einem Ich-Erzähler in der dritten Person eingeführt, tritt Le Gac als Naiver auf, der in seiner Heimat, einem südfranzösischen Bergbaurevier, die Kunst entdeckt:

„Ich weiß nicht, woher ihm diese fixe Idee kam. Sicher ist, daß ihn die Situation des Malers (nicht sein Werk) von früh an integriert hatte. In seiner Kindheit kamen ihm die wenigen Maler, die er nach der Natur arbeiten sah, immer wie richtige Erscheinungen vor.

Jedesmal entdeckte er sie bei hellem und sonnigem Wetter. Wenn er sie mit ihrer unwahrscheinlichen Ausrüstung in der Landschaft sitzen sah, ganz auf sich selbst konzentriert, war er so beeindruckt, daß er fürchtete, irgendetwas Unwiderrufliches werde so überraschend eintreten, daß es ihm völlig entginge. Trotzdem schien diese Beschäftigung weder ermüdend – sie hatten sichtlich keine Eile, fertigzuwerden -, noch sehr schmutzig zu sein, im Gegensatz zum Kohlenabbau, dem von allen ihm bekannten Männern ausgeübten…

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von Annelie Pohlen

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