Titel: Text-Foto-Geschichten , 1979

Bernhard Johannes Blume

geb. 1937, lebt in Köln

So ist auch meine Kunst zu verstehen. Zielstrebige magische Praxis mit Erkenntnis

– und Therapieeffekt für mich zunächst, und wie ich hoffe, über ihre Dokumentation in Fotos, Zeichnungen, Vorführungen, Texten – auch für andere. Dies Foto hier ist symptomatisch für mein Selbstverständnis als Künstler, Kunstclown und die darin sich ausdrückende pädagogische Intention: Magische Identifikation mit einer Kanne? – Manche schockiert es, andere finden es als Kunst zu banal. Für mich ist es neben der Unterrichtsarbeit eine überlebensnotwendige Selbstbeschäftigung mit mir als etwas anderem, hier z. B. als Kanne. Sie ist eines von vielen Vehikeln planmäßiger Entselbstung meines rationalen Ichs. Spielerisch – tragisch – komische Reduktion aufs Dinghafte. Eine Art magischer und entlastender Wiederholung täglich erfahrener Verdinglichungen in einer unüberschaubaren Realität durch ein überschaubares Spiel. Solches Spiel ist durchaus Ernst. Schicksalhaftes Mimikry als Selbstvergewisserung im Konkreten.

Bitte glauben Sie nicht, ich sei kranker als Sie, neurotischer, als andere Normalmenschen. Ich bin als Künstler vielleicht nur ein bißchen weniger domestizierbar, sage ich einmal selbstherrlich. Ich nehme mir in Aneignung der gesellschaftlich tolerierten Narrenrolle ‚Künstler‘ nur einiges mehr heraus.

– Will Kind bleiben um der zu schnell erwachsen Gewordenen. Bin aber zugleich erwachsen genug, solche und andere Spiele für eine pädagogische Notwendigkeit zu halten. Kunst und Kunstpädagogik als Abbruchunternehmen der versteinerten Psyche? Ja, einerseits. Andererseits aber auch als wissenschaftsfähige, konstruktive Erziehungsarbeit.

(Bernhard Johannes Blume: „Die Selbstherrlichkeit des Künstlers und das Selbstverständnis des Pädagogen, hersgb. Galerie Magers Bonn 1979.)

Blume hat eine ungewöhnliche Sprache gefunden, ein neues optisches Alphabet, mit dem er die…

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