Titel: Text-Foto-Geschichten · von Annelie Pohlen · S. 56
Titel: Text-Foto-Geschichten , 1979

Annelie Pohlen

Was nicht im Bild und nicht im Text ist…

Einige Überlegungen zu einem irritierenden Aspekt in Text-Foto-Kombinationen

„Es ist nicht so wichtig, was auf einem Bild zu sehen ist“, äußerte Braco Dimitrijevic. Warum aber dann Bilder machen; warum gar sie zeigen? Weil es „wichtiger (ist), wofür es stehen könnte.“1 Konjunktiv! Könnte es aber nicht für Tausenderlei oder gar nichts stehen? Dimitrijevic machte und macht immer noch Bilder in Mengen. Doch wenn er hier zitiert wurde, dann nicht, weil er letztendlich gemeint ist. Sein scheinbar so lapidarer Ausspruch – der Künstler verzeihe es – dient hier als Auslöser für einige Reflektionen, die zu tun haben mit Bild und Wort, genau genommen Foto und Text in der aktuellen Kunst, deren Verflechtung mit der erfahrbaren sozialen Wirklichkeit ebenso deutlich ist wie deren bisweilen irritierender Verweigerungsgestus.

Die kunsthistorischen Definitions-‚Krücken‘ „narrativ art“ und „story art“, so sinnenfällig sie im Einzelfall auch immer sein mögen, verstellen in ihrer simplifizierenden Subsummierung verschiedenster Künstler den Blick auf einen Aspekt in den Text-Foto-Kombinationen, für die nur einige wenige Vertreter der so eingestuften Kunstrichtung von Interesse sind. Die Rede ist von Arbeiten, deren kombinatorischer Erzählcharakter eben genau dem konträr läuft, was vermeintlich geboten wird. Unterscheidet man hier nicht genau, dann findet der Kunstbetrachter in der Tat ‚Versprechen‘ uneingelöst. Ergebnis:

Frustration, die eigentlich eine andere sein sollte. Denn, dies bleibe nicht außer acht: Frustration wird ausgelöst, und das mit Absicht.

Zum Wort: Story, Narration, Geschichte; was die Begriffe in jeder Sprache suggerieren, ist das fortlaufende literarische Umsetzen von Ereignissen. Fortlaufend nicht notwendigerweise im Sinne chronologischer…

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