Ausstellungen: Köln · von Renate Puvogel · S. 290
Ausstellungen: Köln , 1995

Renate Puvogel

Der Stand der Dinge

Kölnischer Kunstverein, 29.10. – 23.12.1994

Zur Zeit werden neuartige Formen von Gruppenausstellungen erprobt. Galt es bislang, anhand unterschiedlicher Arbeiten mehrerer Künstler ein bestimmtes Thema zu belegen und möglichst vielgestaltig abzuhandeln, so stehen jetzt die Beziehungen der Teilnehmer selbst im Zentrum des Interesses. Dabei geht es nicht etwa darum, ein Kunstwerk gemeinsam herstellen zu lassen – das hatten wird schon – sondern man versucht, das Spezifische eines künstlerischen Entwurfs gerade dadurch zu verdeutlichen, daß man durch seine Zuordnung vielfältige Bezüge knüpft und Gegensätze herausstellt. Der Begriff ‚Kommunikation‘ als Wechselwirkung der Werke aufeinander und als Angebot an den Betrachter wird dabei immer wieder genannt und teilweise über die Maßen strapaziert. Dieses Interferieren und Interagieren ist nur möglich, wenn die künstlerischen Strategien in den unterschiedlichsten Objekten und Medien merkbar aktiviert werden. Der Betrachter nimmt Teil an einem Entstehungs- und Klärungsprozess, dessen Ablauf zwar nicht vorhersehbar ist, dessen Inhalt sich aber in jedem Stadium des Produkts als wesentliche Fragestellung offenbart. Die Ausstellung der Sammlung Schürmann wird diese Art Teilhabe an Gestaltgebung und Sinnformulierung wahrscheinlich präziser vermitteln und herausfordern können, als es etwa die jungen Künstler in Gent vermochten.

Die Kölner Ausstellung nun hält einen solchen Prozess gleichsam an und komprimiert ihn punktuell zu einem ‚Bild‘, bringt die ‚Dinge zum Still-Stand‘. Aus der Sicht der Passanten und beim Betreten der Ausstellung bietet sich zunächst das Bild eines Chaos, so als sei eine Baustelle fluchtartig verlassen worden. Baumaterial und Schutt liegt herum, Werkzeuge aller Art sind über den Boden verstreut, Sockel warten noch darauf,…

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