Monografie · von Johannes Lothar Schröder · S. 190
Monografie , 1995

Johannes Lothar Schröder

Paul McCarthy

Alpträume Alpräume

Nennen Sie mir einen Künstler, dessen Werk Sie vorbildlich finden?“ „Yves Klein.“ „Nein McCarthy, sein Vorname ist Franz. Sie meinen wohl Franz Kline.“ Dies sind die Fetzen eines Dialogs zwischen Paul McCarthy und seinem Lehrer in Utah. Ende der 60er Jahre war Yves Klein im Westen der USA nicht sehr bekannt. Zwar hatte Castelli die blauen Monochromien Kleins schon 1961 in New York ausgestellt, doch hatte der Sprung Kleins von einer Mauer in eine Straße Salt Lake City nur als Legende, nicht aber als Abbildung der berühmt gewordenen Fotomontage erreicht. Wie so oft, war die Rede über ein Bild, ein Objekt oder ein Ereignis schneller verfügbar, als es selbst oder seine Abbildung. So hatte McCarthy also davon gehört, daß sich „der Maler des Raumes ins Leere geworfen“ hatte. In diesem Bild fand er eine einprägsame Erfahrung aus seinem eigenen Leben als Kunstwerk sanktioniert. Als er einen steilen Abhang hinunter gelaufen war, nicht mehr anhalten konnte und schwer stürzte, hatte er nämlich etwas erlebt, was durch die inszenierte Fotografie Kleins kunstwürdig geworden war. Mit der Gewißheit einer direkten Verbindung zur avantgardistischen Kunst blieb er zwar vorerst als Kunststudent isoliert, hatte aber in Yves Klein seinen Gewährsmann für die unmittelbare Verbindung zwischen Kunst und Leben gefunden. Diese hier anekdotisch geronnenen Erfahrungen führen ihn 1967 zu ersten Performance, die er von einem Freund filmen ließ. Ein Jahr später begann er, sich direkt mit dem gefundenen Thema auseinanderzusetzen und realisierte „Sudden Leap“ („Plötzlicher Sprung“, 1968); später folgten „Mountain Bowling“ („Bergbowling“,…

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