Ausstellungen: Graz · von Michael Hauffen · S. 295
Ausstellungen: Graz , 1995

Michael Hauffen

esprit d’amusement

Grazer Kunstverein im Stadtmuseum Graz, 2.10. – 30.10.1994

Daß es ein Zeichen von Überlegenheit sein könne, sich massenmedialem Stumpfsinn anzuschließen, das soll diese Ausstellung vorführen, die sehr junge KünstlerInnen in museal voluminöser Leere präsentiert. Der nicht allzu neue Witz dabei ist, daß natürlich wirkliche Stupidität, bzw. eindeutige Träger dieses Stigmas, nach wie vor aus dem Spiel ausgeschlossen bleiben sollen, das zwischen verschiedenen Stilen des Umgangs mit Elementen trivialer Geschmackskultur stattfindet; oder wie es Joshua Decter in seinem Katalogbeitrag ausdrückt: „Smart genug muß man schon sein.“

Die Paradefigur für den geplanten Coup gegen „die Kopfgedanken“ hat sich die Künstlerin Rosa Brueckl gleich entschlossen selbst abzugeben. In der Pose eines Pin-up-Girls und mit den Insignien einer „Miss ésprit d’amusement“ ausgestattet, steht sie selbst als Symbol dieser simulierten Kampagne als lebensgroße Pappfigur an allen Ecken. Aber erst das Kopfwissen, daß die derart in Gebrauch genommene, selbst auch die Autorin ihres Showeffekts ist, könnte vielleicht den Eindruck, einem bekannten und als Bestandteil einer unfreien Ordnung durchschauten Schema der Repräsentation zu begegnen, zugunsten einer sublimen Beunruhigung verdrängen, die ein anderes Lachen, als das der Unterhaltungsindustrie und ihres Publikums auslöst.

Wie im Gegenzug dazu geißelt sich Sean Landers auf einem Video selbst. In der Konsequenz seiner Selbstinszenierungen handelt es sich dabei aber weniger um Destruktion des Ego als gegen seine Triebe repressiver Instanz (wie etwa im Wiener Aktionismus), als um eine Stilisierung seines Körpers zum perfekten Objekt einer Verehrung, die diesmal mit Elementen religiösen Fanatismus aufgeladen ist, ohne dabei aber auf viel mehr als auf ein Stimulans…

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