Ausstellungen: Berlin / München · von Jochen Becker · S. 312
Ausstellungen: Berlin / München , 1995

Jochen Becker

Mahnmale des Holocaust

»Motive, Rituale und Stätten des Gedenkens«

Deutsches Historisches Museum, Berlin, 13.9.- 15.11.1994

Münchner Stadtmuseum, 5.12.1994 – 5.3.1995

Eigenartig schwer fiel es mir, mich nach nur zwei Monaten an eine Wanderausstellung zu erinnern, die sich laut Originaltitel der „Art of Memory“ widmet. Vielleicht lag dies an der lieblosen Präsentation, vergleicht man dies mit dem inszenatorischen Aufwand, welchen das Deutsche Historische Museum etwa für deutsche Lebensstationen oder Streikbilder aus Firmensicht zu setzen wußte. Zudem fehlt der ausgreifenden Ausstellung über „Motive, Rituale und Stätten des Gedenkens“ ein deutlicher Fokus. Möglicherweise verließ sich die Direktion auch zu sehr auf den reichhaltigen Katalog, statt die „vergleichende Stilgeschichte“ auch in der Präsentation diskursiv einzurichten. Oder es lag an der Eile, um noch eine Richtlinie abzugeben für den laufenden Wettbewerb „Mahnmal für die ermordeten europäischen Juden“ unter der Regie des DHM? Denn laut Vorwort der Ausstellungsleiter erschlösse sich mit der Präsentation „indirekt eine Skala von Gelingen und Mißlingen, an der sich auch das Berliner Werk wird messen müssen“.

„Alle Toten sind, auch wenn sie gewaltsam gestorben sind, als Tote einander gleich. Erst wenn sie als Sieger oder Besiegte, als Helden oder Opfer, als Verbrecher oder Ermordete erinnert werden, sind sie ungleich. Der politische Totenkult pflegt solche Unterscheidungen.“ (aus dem Klappentext „Der politische Totenkult“, hg. von Koselleck/Jeismann)

Shoa We-Gewura, Nazi-Zeit, Großer Vaterländischer Krieg oder Zeit nationalen Märtyrertums lauten die nationalen Umschreibungen des Holocaust. Der Ausstellungsmacher James E. Young kennzeichnet diesen „als gezielte Massenermordung und -internierung von Juden und anderen Gruppen (Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, politische Gefangene und Homosexuelle)…

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