Ausstellungen: Düsseldorf u.a. · von Heinz-Norbert Jocks · S. 355
Ausstellungen: Düsseldorf u.a. , 1995

Heinz-Norbert Jocks

Der Surrealismus in Spanien

»Salvador D., Joan M., Pablo P. und mehr«

Der Betrachter von 1995 hat keinen Grund mehr, sich gekränkt zu fühlen oder an Provokantem Anstoß zu nehmen, daran, daß sonstwie Moral oder Anstand verletzt würden. Die Zeiten, als Skandale noch etwas anrichteten und Zensur noch gefordert schien, um das Über-Ich des Staates aufrechtzuerhalten, sind längst passé. Zu abgebrüht ist der heutige Museumsgeher, als daß ihm das Chaos noch zu schaffen machte, und zu entfernt, was damals störte. Der Surrealismus, für Walter Benjamin so etwas wie „die letzte Momentaufnahme europäischer Intelligenz“, hat heute etwas von einer legendären Erscheinung im nicht mehr ganz so rotzfrechen Anzug der Geschichte. Dem genialen Essayisten, der zu differenzieren verstand, kam es so vor, als drehe sich bei den Surrealisten alles darum, „die Kräfte des Rausches für die Revolution zu gewinnen“. Bis an die Grenzen des Letztmöglichen wollten Aragon, Breton, Buñuel, Dalí & Co per Haschisch, Opium, Halluzination und Traum vorstoßen. Nun, ein halbes Jahrhundert später, nach unverwechselbaren Höhenflügen jenseits der Vernunft, also zu unserer Zeit, wo eine neue Nüchternheit per erzwungenem Utopieverlust geboren wurde, hat sich der Sturm gelegt, der einst vom Versinken ins Träumen herrührte. Seit Jahren peitscht eine Ausstellungswelle gnadenlos über die Hoffnungen von einst hinweg, Zeitmauern zu durchstoßen, Gewohnheit und Gewöhnliches aufzubröseln oder Unbekanntes mit der Energie einer Epiphanie aufzuladen. Die Kunst, wie sie André Breton, der Verfasser surrealistischer Manifeste, verstand, sollte alogisch und unlogisch verfahren, die Trennung von Traum und Wirklichkeit aufheben, Leben und Kunst einen, Wesensfremdes bis zum Schock…

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