Titel: Pandoras Box: Design · von Susanne Holschbach · S. 158
Titel: Pandoras Box: Design , 1995

Susanne Holschbach

Wohnen im Reich der Zeichen

Wohnmodelle der 70er, 80er und 90er Jahre

Schöne Aussichten

»Wohnen ist ein Ereignis von existentieller Symbolik«, heißt es in der kürzlich erschienenen Studie von Gert Selle »zur verborgenen Geschichte des Wohnens.«1 Selle argumentiert hier anthropologisch (unterstützt durch tiefenpsychologische Erkenntnisse), d.h., es geht ihm um den Nachweis, daß sich trotz der kulturgeschichtlichen Veränderungen in den Ausdrucksformen des Wohnens – der Entwicklung von verschiedenen Haustypen, der Differenzen in der Raumstrukturierung und funktionellen Aufteilung der Wohnung, der Modifikation von Möbeltypen, um nur einige Themen zu nennen, die Selle behandelt – das »innere Bild des Wohnens« nicht gewandelt hat: »Die Bedingungen leiblicher Erfahrung im Wohnen haben sich kaum verändert. Wand, Ecke, Boden, Decke, Tür, Fenster, Feuerstelle, Bett und Tisch sind gegenständliche und symbolische Topoi geblieben, die das Wohnen immer noch prägen.«2 So wird das archaische Gefühl des »Behaustseins«, vermittelt über die Schutz und Geborgenheit garantierende Grenzziehung zur Außenwelt, die darin implizierte Scheidung von Kultur und Natur, die das Wohnen zu einer »kulturellen Metapher« werden läßt, über das »kollektive Gedächtnis«3 bis ins moderne Appartement getragen und wiederbelebt – und sei es in Form der Kerzenflamme, die das (unbewußte) Erinnerungsbild des nie verlöschenden Herdfeuers wieder »aufscheinen« läßt. Geradezu beschworen werden von Selle die großen Mythen der häuslichen Geselligkeit: das Sitzen um den Tisch, die Sinnlichkeit des gemeinsamen Essens, die nicht nur äußere Wärme des Herdes … Aber auch Selle kann sich Spekulationen darüber, ob nicht vor allem die Medientechnologie den häuslichen Raum der Zukunft doch noch revolutionär verändern könnte, nicht ganz entziehen: »Radikal…

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