Ausstellungen: Hannover · von Thomas Wulffen · S. 344
Ausstellungen: Hannover , 1994

Thomas Wulffen

Die Orte der Kunst

»Der Kunstbetrieb als Kunstwerk«

Sprengel Museum Hannover, 29.5. – 11.9.1994

Im Sprengel-Museum Hannover gibt es eine zweigeteilte weiße Box, die üblicherweise für Wechselausstellungen genutzt wird. So geschah es auch bei der Ausstellung „Die Orte der Kunst – Der Kunstbetrieb als Kunstwerk“, verantwortet von Dietmar Elger. Sie zeigte, laut Besucherinformation, „Positionen der aktuellen Kunst“. Und weiter im Text: „In über 90 Werken setzen sich internationale Künstler mit dem institutionellen Rahmen auseinander, in dem Kunst entsteht, ausgestellt, rezipiert und gehandelt wird.“ Das entspricht einigermassen den Tatsachen, obwohl es den Werken selber nicht abzulesen war. Wenn es aber heißt: „Die Ausstellung gewährt einen Blick hinter die Kulissen und macht dabei nicht nur mit den Orten selbst bekannt, sondern legt auch deren Mechanismen und Strategien im Umgang mit der Kunst offen“, dann hält die Ausstellung selbst diesem Anspruch in keiner Weise stand. Offensichtlich zeigt sie vor allem die Unfähigkeit und die Inkompetenz des zuständigen Kurators, dem Reflexions- und Wissensstand der beteiligten Künstler in irgendeiner Weise gerecht zu werden. Denn was in der weissen Box präsentiert wurde, waren Artikel einer zeitgenössischen Kunstform, die unter dem Stichwort „Betriebssystem Kunst“ zusammengefasst werden.

Der Begriff „Artikel“ muss hier zu Recht angewandt werden, denn jedes Objekt in der Ausstellung war als bloßer Beleg für eine zeitgenössische Kunstform zu betrachten. Mehr nicht. Erstaunlich dabei ist, daß man nach den Ausstellungsprojekten wie „Firminy“, „Backstage“ und „Kontext Kunst“ noch so naiv von einem Werkbegriff ausgehen kann, der für sich selber spricht. Zwar wird der institutionelle Rahmen angesprochen (s.o.), aber daß dieser…

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