Magazin: Publikationen · von Dirk Schwarze · S. 452
Magazin: Publikationen , 1994

Eduard Beaucamp
Ästhetische Bußpredigten

Durch seine „Kunstkritische Bußpredigt“ hat Eduard Beaucamp im vorigen Sommer in der FAZ eine Diskussion angestoßen, deren bisherigen Verlauf Walter Vitt für den Internationalen Kunstkritikerverband (AICA) dokumentiert hat. Auf Beaucamps „Ausbruch aus der Fortschrittskarawane“ haben Jean-Christophe Ammann, Werner Schmalenbach und Ludger Gerdes reagiert. Völlig zu Recht ruft Vitt in dem Büchlein zu weiteren Stellungnahmen auf, denn das, was auf den 48 Seiten zu lesen ist, kann nur das Vorgeplänkel einer Diskussion über den Zustand der heutigen Kunst sein.

Am meisten überrascht, daß die von Beaucamp angestimmte Polemik nur milde Reaktionen hervorruft. Ludger Gerdes beschwört wohl die Vitalität der freien, sich dem rationalen Zugriff entziehenden Kunst, kümmert sich ansonsten aber nur um die Grundlagen moderner Ästhetik. Werner Schmalenbach, der sich schon vor 25 Jahren aus der „Fortschrittskarawane“ verabschiedet hat, ist sich sowie im Grundsatz mit Beaucamp einig und korrigiert nur einige Auswüchse der Schelte. Und Ammann? Obwohl er einer der Adressaten der Bußpredigt ist, zeigt er viel Verständnis und beruft sich entschuldigend auf die „Schwäche der Zeit“.

Liegt also Beaucamp mit seinem Abgesang auf die Moderne so sehr richtig, daß ihm nichts entgegenzusetzen ist? Wohl kaum. Das fängt damit an, daß dies ja nur der wiederholte Aufguß einer Polemik ist, die Beaucamp seit den 70er Jahren vorträgt. So hatte er beispielsweise in dem Aufsatz „Ende der Avantgarde – was nun?“ (Kunstjahrbuch 77/78) geschrieben: „Der Versuch der Kunst dieses Jahrhunderts, eine Tradition gegen die geschichtliche Tradition zu begründen, ist in der dritten Generation gescheitert.“ Angesichts der Tatsache, daß damals viele das Ende…

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