59. Biennale Venedig: Gespräche
Eva Respini
Als Souvenir um die Welt. Ein Gespräch mit der Kuratorin zur Arbeit von Simone Leigh
Heinz-Norbert Jocks: Über die Umwandlung des Pavillons, den Simone Leigh mit einem Strohdach versehen hat, das an traditionelle afrikanische Rondavels erinnert, wüsste ich gerne mehr.
Eva Respini: Ja, Simone betrachtet den Pavillon wie eine Skulptur, an dessen Fassade sie eine Installation aus einem Strohdach angebracht hat. Mit diesem spielt sie auf die Pariser Kolonialausstellung von 1931 an und verwandelt den Pavillon in etwas, das einem afrikanischem Palast aus dieser Ausstellung ähnelt. Interessant finde ich, dass diese Weltausstellung nur ein Jahr nach dem Bau des Pavillons stattfand. Indem Simone mit den zwei Architekturen zwei Geschichten verbindet, bringt sie etwas Ganzes hervor. Der Pavillon ist so umgewandelt, dass er kaum wiederzuerkennen ist.
Was war das Besondere an der Pariser Weltausstellung?
Sie war die Geburtsstunde der afrikanischen, vom Surrealismus beeinflussten Diaspora-Bewegung Négritude, die als eine Reaktion und Antwort auf die Pariser Schau entstanden ist. An dieser, von Frankreich veranstaltet, nahmen viele europäische Länder teil, auch die Vereinigten Staaten. Und es wurden Kulturen, Architekturen und auch Menschen aus Ländern gezeigt, die damals unter Kolonialherrschaft standen. So konnte man zum Beispiel eine maßstabsgetreue Version von Angkor Wat besichtigen, ein marokkanisches Dorf besuchen, mit den Lebensmitteln und den Dorfbewohnern, die aus Afrika hierhergebracht wurden, insgesamt 50.000. Simone kritisiert nicht nur diesen Moment des Ausdrucks kolonialer Herrschaft, sondern verweist auch auf Négritude, einer wichtigen panafrikanischen und Pan-Diaspora-Bewegung, die der ganzen Welt als wichtige Quelle dient.
Vor dem…
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