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Magazin: Kulturpolitik · S. 416 - 417
Magazin: Kulturpolitik , 1990

Heinz Thiel
Gestaltung des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg

Eine große Wunde, die auch wir immer noch spüren, die aber wir vor allem der Welt zugefügt haben, soll langsam heilen dürfen.“

Mit diesem bildhaften Verständnis von Geschichte und Gegenwart verknüpft die neue Schul- und Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Karla Fohrbeck, die Hoffnung, in der Stadt der nationalsozialistischen Reichparteitage ein Zeichen setzen zu können. Ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende gibt es im westlichen Teil der neuen, erweiterten Bundesrepublik immer noch keinen zentralen Ort der freiwilligen Versöhnung und ihrer öffentlichen Bezeugung. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist für Karla Fohrbeck der Ort, an dem die politische Altlast am einleuchtendsten und einprägsamsten „recycled“ werden kann.

Im Juli hat sich die Mit-Autorin der legendären „Künstler-Enquete“ (1974/75) und Mit-Begründerin des Instituts für Projektstudien in ihrer neuen Eigenschaft als Kulturreferentin den Auftrag erteilen lassen, die vielfältigen Ansätze und Wünsche in Sachen Denkmäler, Platzgestaltung und bauliche Nutzung von Erinnerungsmalen aus der Hitlerzeit zu sichten, zu bündeln und in einer Gesamtkonzeption zusammenzufassen. Nürnberg wird außen- und sogar wirtschaftspolitisch vermehrt mit „Image-Belastungen“ konfrontiert. Anfang September lag eine erste Bündelung von Konzept-Ideen vor.

Das ehemalige Reichsparteitagsgelände soll zu einem Ort des Friedens umgestaltet werden. Ein erster Schritt auf diesem Wege könnte das Aufstellen von Tafeln aus Panzerglas sein. Sie sollen in verbaler Form Haltungen im Umgang mit der Vergangenheit verdeutlichen. Die einzelnen Tafeln können Texte aus Religion, Alltag, Philosophie, Kultur, Moral motivisch bündeln. Rechtsradikale Schmierereien/Beschriftungen würden dabei als ein Teil des Bewußtmachungsprozesses verstanden. Das Material Panzerglas beinhaltet die Möglichkeit des problemlosen Abwischens, läßt aber auch ein Gewähren…


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