Titel: Ars Electronica · von Florian Rötzer · S. 108
Titel: Ars Electronica , 1990

Derrick De Kerckhove

Wir kehren in die Nicht-Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Anderen zurück

Ein Gespräch mit Florian Rötzer

F.R.: Sie haben behauptet, daß mit der Realisierung des Cyberspace oder der virtuellen Realität eine tiefgreifende Veränderung für den Status der Künste einhergeht. Welche neue Ästhetik wird daraus aus Ihrer Perspektive entstehen?

D.d.K.: Die Ästhetiken haben alle großen Veränderungen in unserer westlichen Zivilisation mitvollzogen. Das Theater, so meine These, ist unser erster Screen und unsere erste Organisation von Raum und Geist, von Raum und Subjektivität gewesen. Das Theater stellte einen starren Raum dar, und der Zuschauer war in die Rolle eines Beobachters gezwungen worden, losgelöst und distanziert von dem, was auf der Bühne dargestellt wurde. Mit der Entwicklung neuer Technologien, angefangen von der Fotografie bis zum Fernsehen, geht eine Verbesserung des Screens einher, die vergleichbar mit derjenigen ist, die vom alten griechischen Amphitheater zur square box von Zabattini am Ende des 15. Jahrhunderts in Italien geht. Die Entwicklung des Screens geht vom Screen der fotografischen Einzelaufnahme zum addierten Screen des Films und schließlich zum modulierten Screen des Fernsehens über. Das Verhältnis aber zwischen Screen und Person ist bis zum Auftauchen des Computers immer das von Abtrennung und Distanz geblieben. Mit dem Computerscreen begann der Zuschauer auf das Spektakel zu antworten und in eine Kommunikation zu treten. Das war der Ursprung der interaktiven Künste. Interaktivität mit dem Touchscreen und dann Interaktvität mit dem Datenhandschuh, durch den sich der Screen betreten läßt, hat bewirkt, daß man nun buchstäblich auf die andere Seite des Screens hinübergegangen…

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