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Titel: Pläne - Projekte - Perspektiven · S. 158 - 158
Titel: Pläne - Projekte - Perspektiven , 1990

Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg

Düsseldorferstr. 51, 4100 Duisburg
0203/2832630 + 2833294
Dr. Christoph Brockhaus

Nach vierjähriger Tätigkeit am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen kam Christoph Brockhaus nach Köln. Dort war er von 1979-84 Leiter der Graphik- und Fotosammlung des Museums Ludwig und Sonderbeauftragter für den Neubau des Museumskomplexes. 1985 wurde er Direktor am Duisburger Lehmbruck-Museum, konnte dort 1987 den Erweiterungsbau eröffnen und eine Neupräsentation der Sammlung vorstellen. Seine Ausstellungstätigkeit konzentrierte sich unter anderem auf Kunst aus der DDR, UdSSR, Frankreich und England, 1989 war er Leiter der Triennale Fellbach für Kleinplastik. Zuletzt war er (1989/90) zusammen mit Ulrich Krempel an der Organisation der Ausstellung „Zeitzeichen – Stationen Bildender Kunst in NRW“ in Bonn, Leipzig und Duisburg beteiligt. Zum Fragebogenkomplex die folgenden Stellungnahmen:

*

J.R.: Werden Sie für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zukünftig mehr Mittel aufwenden als bisher?

C.B.: Das wäre nötig, es ist 1991 auch möglich, danach offen.

Welche konkreten Ankäufe sind für 1990/91 avisiert?

Internationale Skulptur des 20. Jahrhunderts mit ergänzenden Arbeiten auf Papier. Ankäufe von Ullman, Paolozzi, Simon, Ecker, Abakanowicz sind bereits erfolgt, vorgesehen sind noch Kirkeby, Jetelova, Prantl, Rückriem, Oldenburg, Nauman, Sol LeWitt und Arbeiten aus der Richtung Arte povera.

Was stünde darüber hinaus noch auf Ihrer Wunschliste?

Unter anderem Picasso, Schwitters und Beuys.

Welche Ausstellungen sind für 1990/91 fest eingeplant?

Zunächst Russische Avantgarde 1910-30 aus russischen Sammlungen, dann Skulpturen und Zeichnungen von Joan Miró. Schließlich das zeichnerische Werk von Hans Uhlmann und Wilhelm Lehmbruck sowie Bildhauerzeichnungen aus dem Lehmbruck-Museum. Mitte 1991 steht die Wiedereröffnung des gesamten Lehmbruck-Museums an, dazu haben wir den Arbeitstitel „Transzendenz in der Skulptur der Gegenwart“ gewählt.

Sie mußten wegen der Sanierung des Altbaus einige Vorhaben zurückstellen?

Ja, unter anderem Europäische Skulptur des Informel, Fotografien von Bildhauern der Gegenwart und architektonische Skulptur im 20. Jahrhundert.

Auf welche Disziplinen konzentriert sich Ihre künftige Ausstellungstätigkeit primär?

Internationale Skulptur des 20. Jahrhunderts und ergänzende Arbeiten auf Papier. Kunst mit neuen Medien wird einen eher geringen Stellenwert haben.

Hinsichtlich der Leih- und Ausstellungspolitik, vor allem bezüglich von Wanderausstellungen und Großprojekten, ist ein Umdenken im Gange. Wie sind da Ihre Erfahrungen und Ihre Ansichten?

Die Leihpolitik ist bisher unverändert, eine Reduktion von Ausstellungen wäre insgesamt wünschenswert. Gelegentliche Großprojekte, gut durchdacht und präsentiert, bleiben für mich durchaus wünschenswert, aber Wechselausstellungen müßten generell wieder einen Stellenwert hinter den Aufgaben der Sammlungen erhalten.

Kommunalpolitische Kulturförderung erfolgt aber aus ganz bestimmten freizeitökonomischen Erwägungen. Sehen Sie für Ihre Arbeit die Tendenz, daß die wissenschaftliche Betreuung von Sammlungen und Ausstellungen gegenüber anderen Faktoren zu kurz kommt?

Die wissenschaftliche, konservatorische und dokumentarische Betreuung von Sammlungen und Ausstellungen kommt wegen Personalmangels zu kurz; die politische Entdeckung der Kultur hat für Duisburg primär positive Folgen gezeitigt.