Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 405
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1994

Christian Huther

Grün, die unmögliche Farbe

Galerie Rothe, Frankfurt/Main, 9.7. – 1.10.1994

In der Farbästhetik fand bislang keine Revolution statt. Die drei Grundfarben beherrschen das Feld, auch wenn Grün, die Kardinalfarbe der Natur, heute viel häufiger eingesetzt wird als früher. Schließlich verhalf ihr erst die Landschaftsmalerei von Constable und Courbet bis zu den Impressionisten zum allmählichen Druchbruch, doch noch Kandinsky schalt sie in seinem Buch „Über das Geistige in der Kunst“ als passiv und „langweilend“. Die Expressionisten wiederum bedienten sich ihrer ungeniert, während die Konstruktivisten sie mieden.

Indes gilt sie in diversen Theorien, auch von Wahrnehmungspsychologen, als den Primärfarben ebenbürtig. Schon Goethe hat trotz aller Vorbehalte die Bedeutung dieser Sekundärfarbe erkannt, notierte er doch in der Nomenklatur der „Farbenlehre“: „Was die deutsche Terminologie anbetrifft, so hat sie den Vorteil, daß wir vier einsilbige, an ihren Ursprung nicht mehr erinnernde Namen besitzen, nämlich Gelb, Blau, Rot, Grün. Sie stellen nur das Allgemeinste der Farbe der Einbildungskraft dar, ohne auf etwas Spezifisches hinzudeuten. Wollten wir in jeden Zwischenraum zwischen diesen vieren noch zwei Bestimmungen setzen, als Rotgelb und Gelbrot, Rotblau und Blaurot, Gelbgrün und Grüngelb, Blaugrün und Grünblau, so würden wir die Schattierungen des Farbenkreises bestimmt genug ausdrücken.“

Goethe schien also Grün durchaus als vierte Farbe anzuerkennen, obwohl er ihr in seiner Abhandlung nur wenige Sätze einräumte. In seinem Farbenkreis ist sie wieder großflächig vertreten – wohl auch deshalb, weil sie die Farbe mit der größten Modulationsbreite ist. Ohnehin läßt sich über den Kontrast zwischen dem raren Einsatz in der Kunst und dem reichhaltigen Gebrauch im täglichen…

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