Titel: documenta 8: Kunst auf dem Prüfstand , 1987

Julian Heynen

Kunst für den öffentlichen Raum? – Öffentlicher Raum für die Kunst?

Rundgang mit einigen zusätzlichen Überlegungen

Die »neue Kunst im öffentlichen Raum« ist hierzulande in kurzer Zeit zu einem Thema geworden. Sicher, wer die Arbeit einer Reihe von Künstlern seit den frühen achtziger Jahren verfolgt und ihre Überlegungen zur Überwindung der Krise, in die die vorausgehenden Avantgarden hineingeraten waren, mitgedacht hatte, der mußte auch auf dieses Motiv gestoßen sein. Das breite Publikum aber ist in diesem Sommer recht plötzlich mit mehreren Veranstaltungen konfrontiert, die ganz oder teilweise das Verhältnis von Kunst und öffentlichem Raum erproben wollen. Der Kunsttourist muß sich auf einiges an zu fahrenden und zu laufenden Kilometern einstellen, wenn er eine Übersicht gewinnen will. In Berlin ist es der »Skulpturenboulevard«, in Münster das großangelegte Projekt »Skulptur 87« und schließlich in Essen »Im Auftrag – Skulptur im öffentlichen Raum«. Die documenta 8 konnte da nicht fehlen, zumal da sie die Gegenwartskunst ausdrücklich als eine vorstellen will, »die umtreibt, was uns umtreibt«, die unter anderem »Metaphern für soziale Systeme und Modelle für gesellschaftliches Handeln entwirft« und sich als »subversiver Brennspiegel von Geschichte und Gesellschaft« begreift.1

Eingebettet in ihr Gesamtkonzept zeigt die documenta Außenskulpturen in zwei verschiedenen Bereichen und versteht diese räumliche Trennung als inhaltliche Differenzierung. In der City »okkupiert« die Kunst »die Stadt und ihre öffentlichen Plätze, rückt den Bürgern hautnah auf den Leib«, in der Karlsaue dagegen »spielt« sie »mit den barocken Elementen« dieses Parks. Die Kunstwerke in der Innenstadt sollen »Irritationseffekt« und »Störfaktor« sein, in der Karlsaue geht es eher…

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