Titel: documenta 8: Kunst auf dem Prüfstand , 1987

Volker Rattemeyer und Renate Petzinger

Pars pro toto

Die Geschichte der Documenta am Beispiel des Treppenhauses des Fridericianums

In den Tagen vor und nach der Eröffnung der achten documenta ist in zahlreichen Gesprächen mit Künstlern, Kunstvermittlern und Kunstkritikern vom Identitätsverlust dieser großen internationalen Kunstausstellung zu hören. Der Unmut der versammelten Fachwelt über einzelne Exponate, Bereiche oder auch über die documenta 8 als Ganzes entlädt sich in Charakterisierungen wie Halbherzigkeit, illustrative Vordergründigkeit, prätentiöses Kunstgewerbe, Terrassendekoration, Mixtur aus Zeitgeist, Routine und Sachzwang, ästhetische Landschafts- und Stadtreparatur, Kaleidoskop von Beliebigkeiten räumlicher Inszenierungen u.v.a.m.

Die achte documenta sei verkommen zum bloßen Medienspektakel, zur Unterhaltungsshow à la Luna Luna, zum Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem sich die Überheblichkeiten der Architekten und die Launen der Designer addieren – mit entsprechender Resonanz beim Publikum. Die Chance, eine künstlerische Perspektive aufzuzeigen oder gar einen künstlerischen Standpunkt zu beziehen, sei vertan.

Finden, so ist zu fragen, die Vorhaltungen und Kritiken an der documenta 8 vielleicht auch in den Eingriffen, die das Museum Fridericianum als auratischer Ort der documenta in den letzten zehn Jahren über sich ergehen lassen mußte, eine Begründung? Ist es der Verbau des Hauses, dem im Zweifelsfall eine unter künstlerischem Gesichtspunkt fehlgeschlagene documenta 8 anzulasten ist?

Der Bedeutung, die das räumliche Ambiente des Museums Fridericianum für die Gestaltung der documenta-Ausstellungen gehabt hat, soll im folgenden exemplarisch am Beispiel der großen Treppen-Rotunde nachgegangen werden. Auf welche Weise, so soll unsere Fragestellung lauten, ist die Geschichte der documenta und der ihr jeweils zugrundeliegenden Ausstellungsphilosophie mit der Gestaltung dieser Treppen-Rotunde verknüpft? Welche tatsächliche und welche symbolische…

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