Milch der Träume – Der Surrealismus der Frauen
von Sabine Maria Schmidt
Das Rendezvous der Freundinnen
Es ist ein starker Auftritt, der in die diesjährige Hauptausstellung der Biennale führt. Ein lebensgroßer Elefant thront auf einem weißen ovalen Sockel. [S. 111] Über ihm die Deckenfresken der Sala Chini, die wie eine himmlische Zirkuskuppel der Künste wirken.1
Umrahmt wird der Elefant von einer allumfassenden Spiegelgalerie, so dass er simultan von allen Seiten sichtbar ist und unendlich reproduziert erscheint. Die deutsche Künstlerin Katharina Fritsch feiert hier nach mehreren Auftritten in Venedig ein fulminantes Comeback. Und wird 2022 auch für ihr Gesamtwerk mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Die Hauptausstellung der Biennale ist kraftvoll, traumhaft, körperlich und auf der anderen Seite fragil und apokalyptisch. Es ist eine Biennale der Frauen.
Hyperrealistisch und zugleich in seiner grünen Farbigkeit verfremdet, wirkt die Dickhäuterin wie versteinert, das Fleisch wie in Bronze gegossen, mutiert, aber auch so, als könne sie dennoch jeden Moment zum Leben erwachen. Dabei ist die Polyester-Skulptur selbst als Abguss eines präparierten Elefanten aus dem Bonner Naturkundemuseum entstanden. Das zunehmende Absterben und Verschwinden der Natur, ihre Substituierung durch Künstliches, die Abspeicherung von biologischen Informationen in etwas Synthetisches, das sich zugleich besser als das Original erweisen will, all das sind Themenstränge der Biennale, die gleich in dieser Skulptur zum Klingen gebracht werden. „Übrigens werden Elefantenherden immer von den Kühen angeführt“, kommentiert die Kuratorin Cecilia Alemani am Ende ihres Einleitungsstatements im Kurzführer.
Ähnlich gelingt es im Entrée zu den Giardini. Simone Leighs monumentale, weibliche Figur besiedelt ebenso prominent den Ausstellungsparcours wie ihre deutsche Kollegin. [S….
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Weitere Nennungen
Katharina Fritsch Simone Leigh Mrinalini Mukherjee Simone Fattal Jana Euler Cosima von Bonin Gabriel Chaile Tau Lewis Leonora Carrington Donna J. Haraway Delcy Morelos Precious Okoyomon Florence Henri Carol Rama Dorothea Tanning Laura Wheeler Waring Mary Wigman Josephine Baker Remedios Varo Léonor Fini Marie ČerminováDAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN





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