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Gespräche mit Wissenschaftlern: Biennalen der Welt · von Ria Lavrijsen · S. 355 - 359
Gespräche mit Wissenschaftlern: Biennalen der Welt , 1993

Homi K. Bhabha
Nord- & Süd-Kunst im Dialog?

Über die Idee Interkultureller Ausstellungen
Interview von Ria Lavrijsen

Ria Lavrijsen: Europäische Kunst-Institutionen und Kulturkritiker tendieren dazu, Qualität nach euro-amerikanisch geprägten Maßstäben zu definieren. Wie könnten sie ihren Qualitätsbegriff erweitern?

Homi K. Bhabha: Der Qualitätsbegriff ist in hohem Maße historisch, kulturell und institutionell begründet. Ästhetische Qualität hat viele Traditionen, deren wir uns alle bewußt sind. Ich will hier nicht über Ästhetiker wie Kant oder Schelling sprechen, deren Werk das Vokabular der Kunst stark geprägt hat. Ich möchte allerdings darauf aufmerksam machen, daß unser Qualitätsgedanke eine ganz bestimmte Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk darstellt. In der westlichen Kultur hat Qualität etwas zu tun mit der Vorstellung vom „großen Meister“. Wie der große Meister oder Autor zustande kommt, das ist ein anderes Thema. Aber einem großen und berühmten Namen wird ohne weiteres Qualität zugestanden. Qualität ist etwas, das entsteht, wenn man als nachdenklich betrachtendes Wesen vor einem Kunstwerk steht. Dann ist da natürlich die große Analyse des Geschmacks: Was ist guter Geschmack, wie wird er – je nach Klasse und Geschlecht – definiert? Sehr oft wird Qualität beschrieben im Sinne eines kraftvollen, maskulinen Pinselstrichs oder – in der Literatur – als kraftvolle Linie, als starke Persönlichkeit. Das sind sehr künstliche Qualitätsbegriffe. Ich möchte deshalb Qualität trennen von einer Vorstellung von guter oder schlechter und hoher oder geringer Kunst. Ich glaube, wenn man das tut, muß man sich, um den Qualitätsbegriff zu erweitern, nicht unbedingt auf Reisen begeben, um sich andere Dinge anzusehen und den eigenen Blickwinkel zu…



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