Titel: Die Frühen Jahre , 1989

Rolf Ricke

Mein Vater ist aus dem Krieg nicht mehr nach Kassel zurückgekehrt, er hat sich nach München abgesetzt. So wuchs ich bei meiner Mutter alleine auf. Nach der Schule und einer Ausbildung arbeitete ich bei Philips und CBS.

Die Begegnung mit der Kunst kam für mich durch die documenta 1955 und 1959 zustande. Ich war so fasziniert, daß ich nicht nur dauernd hingegangen bin, sondern auch versuchte, hie und da Kunst zu kaufen: Grafik. In Kassel gab es eine kleine Galerie, die hatte Ecole de Paris, Poliakoff, Max Ernst etc. Ich kaufte, weil ich Dinge, die mir gefielen, auch unbedingt haben wollte; das ist zeit meines Lebens ein entscheidender Punkt geblieben. Kunst muß man nicht nur sehen, die muß man auch zu Hause um sich haben. Ich brauchte das.

Auf der zweiten documenta sah ich zum ersten Mal Rothko und Pollock, ich wurde wahnsinnig aufgeregt. Da ich für meine Firma reisen mußte, konnte ich andere Galerien besuchen und vor allem die provisorische Kunsthalle in Düsseldorf, wo die wahnsinnigsten Ausstellungen stattfanden. Düsseldorf wurde mein Eldorado.

Einige Galerien schickten mir nun Blätter zur Ansicht, oder Zwirner z. B., als er in Kassel mit Bode zu tun hatte, ließ mir eine Mappe da. Ich hatte eine Menge Freunde, die erschienen, wenn ich neue Blätter hatte, und die auch kauften. Schließlich kam der Gedanke auf, daß ich diese Tätigkeit ruhig kommerzialisieren könnte; das klingt so hart, aber es ergab sich einfach so um 1960/61. Und im September 1963 habe ich in einem Hinterzimmerchen einer Buchhandlung eine wirkliche…

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