Gespräche mit Künstlern · von Doris von Drathen · S. 323
Gespräche mit Künstlern , 1989

Gebaute Linien

EIN GESPRÄCH MIT DORIS VON DRATHEN

David Tremlett ist ein hartnäckiger Einzelgänger. Seine Arbeit ist stärker aus einer Auflehnung gegen alles Bestehende als aus Vorbildern hervorgegangen. Bob Dylan hat ihn mehr gepägt als Henry Moore oder Anthony Caro.

Der 1945 in Wales geborene Student der Bildhauerei am Royal Collage of Art erlebte harte Konfrontationen mit seinen Lehrern, die mit akademischer Rigidität jedes Wagnis verdammten und Tremletts Arbeiten auf Papier, seine Installationen in Metall mißbilligten. Aus Unzufriedenheit mit dieser Reglementierung in London entstand das Bedürfnis, etwas anderes zu produzieren als Kunstobjekte.

Gilbert & George, Richard Long gehören zu dieser Generation, die sich vornahm, die Reflexion über Kunst neu zu beginnen und zu fordern, Bildhauerei sei aus dem allergewöhnlichsten, aus der unmittelbaren Umgebung abzuleiten.

Zum ersten Mal begegnete ich Arbeiten von Tremlett bei dem Hamburger Sammler John Erik Berganus, jener aus graphit-geschwärzten Kärtchen zusammengesetzten konstruierten „Bildskulptur“, wie Tremlett die Arbeit selbst nennt, aus der Mitte der 70er Jahre und den Zeichnungen „Watching the way the birds fly“ aus der gleichen Zeit.

Ausschlaggebend war dann aber erst in der Amsterdamer Galerie Art and Project im Frühjahr 1988 seine große Wandzeichnung – ich fand unten in der Galerie seine Reisebücher, und meine Neugier, ihn selbst kennenzulernen, wuchs. Im November ’88 begann Tremlett mit zwei Helfern in der Hamburger Galerie Dörrie/Priess das große als Photodokumentation vorliegende Wandprojekt. Bis zur Eröffnung am 9. Dezember ’88 gab es alle Hände voll zu tun. Bei Durand-Dessert setzte Tremlett im März 89 vereinzelte Zeichen, deren Schablonen mit den dazugehörigen Pastellkreiden zu erwerben sind….

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von Doris von Drathen

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