Gespräche mit Philosophen , 1989

Gernot Böhme

Plädoyer für eine ökologische Naturästhetik

EIN GESPRÄCH MIT FLORIAN RÖTZER

Gernot Böhme, geb. 1937, lehrt Philosophie an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nach einem Studium der Mathematik, der Physik und der Philosophie sind seine gegenwärtigen Arbeitschwerpunkte die Entwicklung einer Philosophie, die in kritischer Abhebung gegenüber dem neuzeitlichen Rationalismus die Konturen einer leibnahen, den Sinnen verpflichteten Vernunft ausbildet, wobei Naturphilosophie, philosophische Anthropologie und Naturästhetik im Mittelpunkt stehen. In seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht“ (Frankfurt 1985) formuliert er seine Kritik am klassischen Vernunftmenschen, die deutlich macht, warum besonders die ästhetische Dimension der Erfahrung für ihn angesichts des Schwindens der Sinne, entscheidend für eine philosophische Neuorientierung wird, in der der Bezug des Menschen zur Natur im Mittelpunkt steht. Ästhetik bezieht sich für ihn nicht allein auf die Kunst, sondern ist ein Teil der Naturphilosophie und der Anthropologie: „Die aufklärerische Reinigung der Welt von Gespenstern, ihre Reduktion auf einen bloßen Tatsachenzusammenhang wird damit erkauft, daß der Mensch sich selbst fremd und umheimlich wird: Was nicht mehr ‚Mächten‘ zugeschrieben werden kann, muß nun seinen Ursprung in der eigenen Einbildung haben – womit die Phantasie zum beunruhigenden, zu fürchtenden Anderen der Vernunft im Menschen selbst wird. … Die Berechenbarkeit vernünftigen Verhaltens wird erkauft mit einer Exterritorialisierung und radikalen Kontrolle von Spontaneität. Begierden, Bilder, Ideen machen Angst.“ Seine ersten Überlegungen zu einer neuen ästhetischen Theorie sind in seinem Buch: „Für eine ökologische Naturästhetik“ (Frankfurt 1989) erscheinen und bilden den Ausgangspunkt des Gespräches. Die Ausrichtung der Philosophie an einer Naturästhetik läßt sich auch bei Rudolf zur Lippe (siehe das Gespräch…

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