Titel: 53. Biennale Venedig , 2009

53. BIENNALE VENEDIG: Länderpavillons

Schweiz: Fabrice Gygi – Economat

Kommissar: Andreas Münch / Ort: Chiesa di San Staer

Fabrice Gygi – „Economat“

Auch in diesem Jahr zeigt die Schweiz neben ihrer Präsentation im Pavillon in den Giardini eine weitere Ausstellung in der Kirche Santa Stae. Eine bewusste Ortswahl, die in der Vergangenheit jedoch schon mehrfach zu Konflikten führte, weil ein Kirchenraum nun einmal kein White Cube ist. Das musste auch der diesjährige Biennale-Künstler, Fabrice Gygi, erfahren, dessen erste Vorschläge abgelehnt wurden. Erst sein drittes Projekt, die Rauminstallation „Economat“, fand die Zustimmung des hinzugezogenen Vertreters des Vatikan und des Bauamtes von Venedig.
Fabrice Gygi schuf eine klar gegliederte, auf die Zentralachse des Kirchenschiffs hin ausgerichtete Arbeit. Ein transparenter Glasperlenvorhang „verschließt“ die Kirche nach außen. Innen stehen zwei lange, vergitterte Metallregale. Streng symmetrisch in Struktur und Ausrichtung, greifen sie die Längsachsen der Architektur auf und lenken den Blick auf den Altar. Das leicht und spielerisch, fragil und beweglich gestaltete Entree bildet einen bewussten Kontrast zu den rigiden Metallkonstruktionen im Innern. Eine Ambivalenz, die typisch ist für das Œuvre des Schweizers. Seine Installationen handeln von Widersprüchen und Paradoxien, häufig von Formen der Macht zwischen Schutz und Aggression.
„Es ist ein Lagerort, wartend auf Objekte, die ihn erfüllen, und auf Individuen, die diese Objekte klassifizieren oder manipulieren werden. Es ist ein beweglicher und bewegbarer Ort, aktuell in seiner Präsenz und potenziell in seinem Einsatz“, beschreibt Christophe Kihm diese Installation. Man kann sich „Economat“ auch verbal annähern, indem man die möglichen Bestimmungen der Metallkonstruktion assoziiert: Schützen, wegschließen, beherbergen, gefangen…

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von Susanne Boecker

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