Ausstellungen: Nürnberg · von Martin Blättner · S.
Ausstellungen: Nürnberg , 2009

Martin Blättner

André Butzer

»Viele Tote im Heimatland: Fanta, Sprite, H-Milch, Micky und Donald!«

Kunsthalle, Nürnberg, 18.6. – 23.8.2009

So düster, so grauenvoll und schließlich doch so erfrischend bunt:

Ein Künstler voller Widersprüche fährt eine Achterbahn der gefühlten Attitüden, er arbeitet die „bad paintings“ der jüngeren Kunstgeschichte ebenso auf wie die Erblasten deutscher Geschichte oder der Fantasy-Welt des amerikanischen Traums, um letztlich den abstrakten Expressionismus der Nachkriegszeit in einer erneuerten Form wieder zu beleben. Nach den heftigen von wilder Gestik getriebenen Orientierungs-Gefechten weist die jüngste Entwicklung des noch nicht einmal Vierzigjährigen fast schon so etwas wie Anzeichen einer abgeklärten Selbstfindung auf – ein Grund wohl mehr, um einem überaus produktiven und erfolgreichen Künstler eine Ausstellung in der Kunsthalle zu ermöglichen.

Bei André Butzer hat sich in den letzten zehn Jahren schon Einiges getan:

In den Anfängen sind die durchwegs großformatigen, wandhohen Gemälde noch stark dem „Geisterbahn“-Kult und dem „Hunger nach Bildern“ mit einem zynischen Hang zum „schlechten Geschmack“ und unmöglichen Bildthemen verpflichtet, den Relikten einer No-Future-Stimmung, wie er in den achtziger Jahren aufkam. Der Tabubruch war seinerzeit auf der Tagesordnung, in der westlichen Avantgarde vor allem derjenigen, der die Kultivierung der bildnerischen Mittel anzweifelte und der kühlen Konzeption eine Absage erteilte. Alles war plötzlich möglich, auch der Kitsch und die trivialste Geste, solange sie einem Stilpluralismus verpflichtet war.

Diesem Sog zum Beliebigen, der bis ins Haltlose führte, stemmte sich André Butzer, der von Albert Oehlens postungegensätzlicher Malerei beeinflusst war, offenbar frühzeitig entgegen. Auf die Gefahr einer solchen Endzeit-Stimmung weist das dunkle Gemälde mit dem Titel „Verloren“…

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