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Gespräche mit Kunstvermittlern: documenta · S. 336 - 339
Gespräche mit Kunstvermittlern: documenta , 1987

2. Folge
Sie dürfen es ruhig schon knistern hören

Ein Gespräch zwischen Manfred Schneckenburger, Leiter der Documenta 8 und Stephan Schmidt-Wulffen

SW: Die ZEIT, Herr Schneckenburger, annoncierte jüngst den Verlust Ihres Glaubens an thematische Enzyklopädien, in denen eine Theorie alle Welträtsel auf einmal lösen soll. Stattdessen wollen Sie „die Kunst zeigen, wie sie ist“. Abgesehen davon, daß dazu vielleicht auch eine theoretische Einsicht nötig wäre, wie sehen Sie, am Ende einer theoriekritischen Expressivität, die auf eine theoriehörige Gedankenkunst reagiert hat, das Verhältnis Theorie und Kunst?

Seh: Das klingt ja schrecklich apodiktisch und fast schon antiintellektuell. Gemeint war, daß Ausstellungen sich nicht selbst zur Botschaft machen, sondern der Kunst Raum geben. Gemeint war, daß Ausstellungen sich nicht wie enzyklopädische Fragenkataloge an die Kunst ausnehmen – aber diese Gefahr ist derzeit ohnedies nicht groß. Das war eine Aussage über die Ausstellung, nicht über die Kunst.

SW: Dann lassen Sie michs so sagen: Hat sich seit der letzten documenta ein anderes Verständnis von Theorie innerhalb der Kunst herausgebildet?

Seh: Ja. Die letzte documenta verbot die Theorie sich selber mehr als der Kunst – Concept Art kam ja durchaus noch vor. Um die jetzige Situation zu beschreiben, riskiere ich eine simplification terrible. Ende der 80er Jahre erleben wir eine Synthese zwischen dem theoretischen konzeptionellen Ansatz der 70er Jahre und dem visuellen, imaginativen Ansatz der frühen 80er Jahre. Natürlich denken Künstler, die „Modelle“ bauen, Metaphern und Metonymien für ganze Epochen und soziale Systeme setzen, auch nach. Aber natürlich öffnen sie die Kunst gleichzeitig in die Anschauung, in Assoziationen und Erinnerungen….


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