Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · S. 166
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1983

Spionage Kunst

Bekanntlich hat der Ende März verstorbene englische Kunstkenner Anthony Blunt in all seinen Schriften eine ablehnende Haltung zur abstrakten Kunst eingenommen. Blunt, der vor vier Jahren öffentlich als Ost-Agent entlarvt wurde, seinen Adelstitel verlor und seine Stellung als Kurator der königlichen Kunstsammlungen aufgeben mußte, hat in seinen ersten Presseveröffentlichungen in den 30er Jahren noch das Beispiel der sozialistischen Mauermaler Mexikos selbst gegen einen Picasso ausgespielt und versenkte sich schließlich in die Kunst Poussins, dessen Wirkungen er bis in das Werk Cézannes und Seurats verfolgte, die ihm die letzten ernst zu nehmenden Künstler des 20. Jahrhunderts waren. Umso mehr erstaunte jetzt die Mitteilung der parlamentarischen Kommission, die Blunts Doppelrolle als Kunsthistoriker und Spion durchleuchtet, daß in den 40er und 50er Jahren von Blunt große Summen zur Unterstützung einiger abstrakter Künstler ausgegeben worden sind, die außerdem kaum zu den berühmten Vertretern ihrer Kunst gezählt werden können. Die Kommission wurde von einem Rechtsanwalt alarmiert, der den Nachlaß des Malers James Pickenham auflöste und auf ein Vermögen in Millionenhöhe stieß, obwohl dieser Künstler zu Lebzeiten kein einziges Werk in eines der englischen Museen oder eine der bedeutenderen Sammlungen verkauft hatte. Eine Rekonstruktion der Vermögensbildung führte auf die Spur von Blunt, der dem Maler über Mittelsmänner regelmäßig hohe Summen für Bilderkäufe zukommen ließ, die, wie die Kommission herausfand, in Wahrheit nie getätigt worden waren. Blunt war auch Drahtzieher einer Kritiker- und Kunsthistorikerclique, die dafür sorgte, daß Bilder von Pickenham wiederholt in kleineren englischen und amerikanischen Kunstzeitschriften abgedruckt wurden; seine offizielle Gegnerschaft zur abstrakten Kunst…

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