Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Steven Bachelder

Wir glauben, daß wir über die Dinge an sich etwas wissen, wenn wir von Bäumen, Farben, Schnee und Blumen sprechen, und doch sind es nur ihre Metaphern, die in keiner Weise ihrer ursprünglichen Natur entsprechen.Friedrich Nietzsche

Welchen Beitrag leisten die Augen zu dem, was wir sehen? Zu oft beschäftigen wir uns mit der Frage, was wir sehen. Und zu selten fragen wir danach, wie wir sehen. Doch ist letztere Frage der Hintergrund für die vorhergehende. Denn was wir sehen, hängt logischerweise damit zusammen, wie wir sehen. Damit, was das Sehen wiederum ausmacht und es bedingt. Steven Bachelders Kunst dreht sich um die Wahrnehmung, um unser Verhältnis zur sichtbaren Welt. Er zwingt uns buchstäblich, unserem eigenen Blick, unserem eigenen Sehen zu begegnen.
Mit seinen Arbeiten treibt Bachelder die kritische Betrachtung der Originalität des Sehens und der reinen Natur der Welt auf die Spitze. Bei Bachelder sind weder die Natur des Sehens noch die Wirklichkeit „natürlich“ oder gegeben. Die Wahrnehmung vermittelt keinen direkten Zugang zu den Dingen an sich, vielmehr trennt sie uns endgültig von ihnen.

Die Sehnsucht strebt danach, Subjekt und Objekt wieder zu vereinen. Doch zwischen der Sehnsucht und dem Objekt der Begierde steht immer die Wahrnehmung. Die visuelle Sehnsucht begehrt das Objekt, aber was wir sehen, ist nur sein Abbild. Das Zusammenkommen des Subjektes mit dem Objekt findet nicht statt. Das Ding an sich ist und bleibt, um mit Nietzsche zu sprechen, „ein unbekanntes X“.
Um die Einheit mit Dingen zu erleben, müßte die Welt zu einer Erweiterung unserer selbst…

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von Lars O. Ericsson

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