Ausstellungen: Hamburg · S. 185
Ausstellungen: Hamburg , 1984

Subsumptio Artis – oder die Kunst unterzuordnen

Luther und die Folgen für die Kunst

Eine Ausstellung der Hamburger Kunsthalle

Über dem Eingang zur modernen Abteilung hebt ein einig Volk von Brüdern kraftvoll die Hand zum Schwur. Ein Volkstribun auf dem Podest gebärdet sich energisch. – Ferdinand Hodler hat’s gemalt zum Gedenken an den Reformationsschwur der Hannoveraner Bürger am 26. Juni 1533. Der Titel dieses Entwurfs zum gleichnamigen Wandbild: „Einmütigkeit“.

Ein Blick in die beiden Vitrinen rechts und links vom Eingang läßt vermuten, es handele sich bei dem an derart exponierter Stelle angebrachten Gemälde um die symbolische Synthese zwischen zwei Kunstauffasssungen, die in den beiden Schaukästen angesprochen werden: Da eine Bildtafel von Jochen Gerz, deren Motto lautet „Do Not Make an Image of Me“, dort ein Bluttuch des Wiener Aktionisten Hermann Nitsch. Links also Bildaskese ganz in protestantischer Tradition, rechts eine Art Reliquienverehrung wie sie bei den Katholiken üblich ist. So jedenfalls will es die These, auf der das Hamburger Luther-Unternehmen aufbaut, das versucht, eine Geschichte der Kunst vorzuführen, „in deren Verlauf Bilderfeinde (Ikonoklasten) und Bilderfreunde (Ikonodulen) in immer neuen Ansätzen ihre Ängste, Hoffnungen und Aggressionen in den Streit um die Wahrheit werfen.“ (Werner Hofmann). Ob in der zurückhaltenden Malerei der Niederländer oder in den üppigen, von sinnlicher Anschaulichkeit überbordenden Bildprogrammen der Gegenreformation; ob in den moralisierenden Radierungen Hogarths oder in der mystischen Kunst Blakes; ob bei den Romantikern oder bei den Nazarenern, bei den Präraffaeliten oder Naturalisten – überall will man die manchmal ganz offenbaren Spuren des einen oder des anderen Prinzips erkennbar machen,…

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