Titel: 7. Berlin Biennale · von Susanne Boecker · S. 158
Titel: 7. Berlin Biennale , 2012

An der Realität gescheitert

» Forget Fear « – 7. Berlin Biennale, 27.4. – 1.7.2012

von Susanne Boecker

Bereits drei Monate vor ihrer Eröffnung verzeichnete die 7. Berlin Biennale ein großes Medienecho. Auslöser war die angekündigte Aktion des Künstlers Martin Zet „Deutschland schafft es ab“, bei der er tausende von Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ einsammeln wollte. Zets Ankündigung, die Bücher würden am Ende der Aktion „für einen guten Zweck recycled“, führten zu sofortigen Assoziationen an Bücherverbrennungen. „Linker Anti-Rassismus ist nahe am Nazi-Meinungsterror“ titelte Die Welt, und auch von anderer Seite wurde das Projekt scharf kritisiert. Institutionen, die sich an der Aktion beteiligen wollten, sagten ab. So ließt die ifa-Galerie Berlin mitteilen: „Die Aktion von Martin Zet ist für das Institut für Auslandsbeziehungen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte in seiner Form und Umsetzung nicht akzeptabel.“ So groß das Medienecho auf die Aktion im Vorfeld war, so verschwindend klein war ihr handfestes Ergebnis. Anstatt wie geplant 60.000 Bücher einzusammeln, hat Zet in drei Monaten gerade einmal vier (sic!) Exemplare zusammenbekommen.

In Erinnerung geblieben ist der „Skandal“ über die vermeintliche politische Inkorrektheit des Projekts. Ob Martin Zet dieses Missverständnis bewusst provoziert hat (was er abstreitet) oder ob die Reaktionen der Öffentlichkeit (Medien und öffentliche Institutionen) der bloßen Tatsache geschuldet waren, „dass Zet als tschechischer Künstler und ‚Außenseiter’ Themen wie soziale Segregation, Ausschluss und Diskriminierung in Deutschland ansprach“ (so seine eigene Interpretation), sei dahingestellt. In seiner politischen Stoßrichtung, seiner provokativen Auslegbarkeit und seinem dürftigen manifesten Ergebnis ist das Projekt exemplarisch für die…

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