Ausstellungen: Hamburg · von Rainer Unruh · S. 260
Ausstellungen: Hamburg , 2012

Rainer Unruh

Imi Knoebel

Galerie Vera Munro, Hamburg, 30.4. – 30.7.2012

Es sind nur Bilder, weiß bemalte Rechtecke oder Quadrate aus Aluminium, gekrönt von einem farbigen Trapez in Rot oder Schwarz und angeordnet in Serien. Keine Kunst, die darauf abzielt, den Betrachter zu überwältigen. Und doch stellt sich im Erdgeschoss der Galerie Vera Munro sofort das unzeitgemäße Gefühl ein, man sei mit Werken konfrontiert, die direkt an Inkunabeln der klassischen Moderne anschließen. Versteht man Kunst als einen unendlichen Dialog, den der einzelne Künstler mit seinen Vorgängern führt, dann sind die Gesprächspartner von Imi Knoebel weniger lebende Zeitgenossen als vielmehr die Heroen der Abstraktion wie Kasimir Malewitsch oder Ellsworth Kelly.

Heute, im Alter von 71 Jahren, ist Imi Knoebel selbst ein Klassiker. Populär beim breiten Publikum war der gebürtige Dessauer allerdings nie. Im Gegensatz zu seinem Lehrer Joseph Beuys hat er sein Können zu keiner Zeit in den Dienst von Politik und Sozialkritik gestellt. „Kunst ist Kunst. Alles andere ist alles andere“, eine Maxime von Ad Reinhardt, könnte auch in unsichtbarer Schrift über dem Oeuvre des Ehrendoktors der Universität Jena stehen.

Imi Knoebel bringt Strenge und Leichtigkeit in eine Balance. Die horizontal angeordneten Reihen von Arbeiten lassen Raum für Variationen. So fängt eine Serie von kleineren Werken, die an Umrisse von Häusern erinnern, mit Schwarz an und wird dann in Rot fortgeführt, ohne dass sich daraus eine Regel ableiten ließe. Die Vermutung, dass die Wahl der Farbe von der Zahl der Ecken abhängt, bestätigt sich nicht. Während die Unterkante der Bilder auf einer gemeinsamen imaginären Linie…

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