Ausstellungen: Paris/Madrid , 1991

Doris von Drathen

André Breton

Centre Georges Pompidou, Paris, 25.4. – 26.8.1991

Centro Reina Sofia, Madrid

Der Schock ist heute selbstverständlich nicht mehr, an der Stelle einer Krawatte einen Pferdeschweif zu sehen. Der Schock, die diese Ausstellung heute – 25 Jahre nach Bretons Tod – provoziert, ist, eine Modernität nachzuerleben, die an ihre „Notwendigkeit“ glaubte.

„La beauté sera convulsive ou ne sera pas“ (Die Schönheit wird konvulsiv sein, oder sie wird nicht sein) steht als Credo und Motto über der Ausstellung, die sich vorgenommen hat, nicht etwa ein Repertoire des Surrealismus aufzulisten, sondern auszubreiten, was Bretons Blickfeld „bewohnte“.

Die größte Schwäche des zeitgenössischen Denkens sah Breton in der „extravaganten“ Überschätzung des Bekannten, im Vergleich zu dem, was noch zu entdecken sei. Er wirft dem zeitgenössischen Denken vor, jede Anstrengung ganz fundamental zu hassen, und beruft sich auf Hegel und dessen Einsicht, daß ein Geist nur wachgehalten werden könne, wenn er sich an Gegenständen schärfe, die noch etwas Unentdecktes haben.

Breton nimmt den Hegelschen „Gegenstand“ wörtlich und leitet die „Etrangeté“ (die Absonderlichkeit), die seinen Geist schärft, tatsächlich von Objekten oder dessen Kombinationen ab.

Wenn Breton sich von seinen „objets étranges“ – die viel weniger „objets trouvés“ sind als tatsächlich „objets cherchés“ – das Erfinden eines „Noch-nie-Gesehenen“ versprach, dann aus dem neuen Zweifel heraus, ob Kunst überhaupt möglich sei.

Dieser Zweifel war der Motor für die konvulsive Notwendigkeit, eine neue Schönheit zu schaffen, jener Mischung von „terreur et de joie paniques“ (von panischem Schrecken und panischer Freude), von der Breton in „Amour fou“ spricht.

Der Ausweg war nicht, unbedingt ein neues Kunstwerk…

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von Doris von Drathen

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