Ausstellungen: Berlin · von Marius Babias · S. 341
Ausstellungen: Berlin , 1991

Marius Babias

Nichts und …

Galerie Nikolaus Sonne, Berlin, 18.4. – 30.6.1991

Nichts zu machen.“ Mit diesen Worten leitet Estragon das „Warten auf Godot“ ein. Dieses Theaterstück von Samuel Beckett, wo die Absurdität des Lebens szenisch durchvariiert wird, markierte die intellektuelle und existentielle Krise der Nachkriegsgeneration. Sätze wie „Nichts zu machen“ könnten aber in ihrer Doppeldeutigkeit auch aktuell als Motto für die Produktion von Kunst gelesen werden. Denn zur Tatsache, daß kaum noch eine neue Form kreiert werden kann, gesellt sich zusehends die Erkenntnis, daß es im Grunde nichts mehr Nützliches, allenfalls Überflüssiges zu tun gibt.

Einerseits ist das „Nichts“ im Sinne des Nichtdarstellbaren ein genuines Thema der Kunst, so bei Yves Klein. Andererseits ist es aber kein Thema mehr, seit Duchamp den Innovationsbegriff umkrempelte und nach einer Phase der Stagnation in den postmodernen 80er Jahren alles wieder möglich scheint, auch die Kopie, das Plagiat, die Neumischung des Altbekannten. Neue, im weitesten Sinn dem Sozialen verpflichtete Tendenzen keimen zwar auf, doch ihre Formalisierungen, in Ermangelung neuer Produktionsmittel bzw. ihrer Findung, bleiben zu sehr der Tradition verhaftet.

Das Nichts, ob positiv als eigentliches Thema der Kunst oder negativ als Einfallslosigkeit ihrer Produzenten betrachtet, hat jedenfalls einen Namen: Kunst. Die Ausstellung in der Galerie Sonne versucht nun eine Präzisierung des Begriffs „Nichts“ vorzunehmen, aber nicht im Sinne einer radikalen Infragestellung der Kunst, sondern detektivisch als Versuch der Lösung eines kunstgeschichtlichen Kriminalfalls. Das Kapitalverbrechen der Kunst besteht bekanntlich darin, daß sie Spuren verwischt, falsche Fährten legt und uns auf intellektuelles Glatteis führt.

In diesem Sinne, nämlich Wege zur Lösung…

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