Titel: Imitation und Mimesis , 1991

Hans Ulrich Reck

Pathosformeln, Schwingungsgrade, energetische Messungen:

Aby Warburg als Anreger für Motivmontagen

Lange vor dem positivistischen und reichlich überrissenen, durch und durch affirmativen Essay von André Malraux über das „Musée Imaginaire“ (1947) hat Aby Warburg die fotografische Bildmontage als Erkenntnisform von Kunst- und Kulturgeschichte gepflegt. Die für den Mnemosyne-Atlas erprobten Bildzusammenstellungen, die im Warburg-Institut ihrerseits nur als Fotografien überliefert sind, zeigen, daß es Warburg um weit mehr ging als um eine Überprüfung seiner Thesen zur Nachwirkung antiker Motive in der Renaissance und von dort, weiter, in der modernen Kultur. Anders gesagt: Warburg ließ sich von den Möglichkeiten einer assoziativen, mehr metonymischen als metaphorischen, d. h. auf Begriffswechsel angelegten Bildmontage durchaus verführen. Damit erneuert er technisch seine inhaltliche These von der Kultur des menschlichen Ausdrucksschaffens: daß Bilder, ihre Erzeugung wie ihre Lektüre, sowohl affektzähmend wie affektsteigernd wirken. Was heute als Methodenstreit zwischen historistischem Positivismus und durch Bilder verführter Spekulation jenseits der Versprachlichung als Paradigma einer neuen Kunstwissenschaft nach dem Zerfall der Vorherrschaft der Texte diskutiert werden müßte, erscheint hier vorgeprägt als Dialektik zwischen Magie und Bewältigung, Faszination und Kontrolle. Warburg, der…

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von Hans Ulrich Reck

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