Ausstellungen: Berlin · von Jochen Becker · S. 355
Ausstellungen: Berlin , 1999

Jochen Becker

Aribert von Ostrowski

»Der Galerist als Pfleger«

Projektraum Berlin/Galerie & Projekte Mathias Kampl, Berlin, 13.3. – 17.4.1999

Die Umbenennung des ,Projektraum Berlin‘ in ,Galerie & Projekte Mathias Kampl‘ markiert die enttäuschte Hoffnung der Münchner Kunsthändler Andreas Binder und Mathias Kampl, am Boom verheißenden Berliner Markt für ,Kunst am Bau‘ partizipieren zu können. Als experimentierfreudiges Schaufenster ihrer Front-Office in Mitte war der Raum in der Auguststraße gedacht. Doch nun hat die als Labor verkleidete Berliner ,Botschaft‘ der Münchner Galeristen zumindest nominal von der Projektphase Abstand genommen und spiegelt darin auch die allgemeine Marktkonsolidierung des vormaligen Versuchsfeldes Berlin-Mitte wider.

Die Konzeptions- und Realisierungsphase der Ausstellung ,Der Galerist als Pfleger‘ von Aribert von Ostrowski fällt genau in die Übergangszeit und verläuft reziprok zur Entwicklung des Münchner Künstlers selbst. Sein langer Weg nach Mitte begann mit poetischen Wandmalereien für Banken und landet nun mit einem kritisch-temporären Kommentar zur Verquickung von Wirtschaft und Auftragskunst mitten im „Wettbewerb der Schaufenster“ des Berliner Galerienviertels. Bislang lebte Aribert von Ostrowski vorrangig von klugen Kunst-am-Bau-Projekten in privatwirtschaftlich betriebenen Gebäuden rund um München, wo er etwa den Kassenraum einer Hypobank-Filiale mit zarten Notenlinien überzog. Diesen Luxus scheinen sich die Firmen jedoch nicht mehr leisten zu wollen und argumentieren mit dem Geld der Aktionäre, denen man nunmehr Konzentration auf die erträglichen Kerngeschäftsbereiche bieten müsse. Shareholder Value schlägt Brushholder Value.

Die Berliner Räumlichkeiten sind nur durch den Nebeneingang zu betreten, da das Schaufenster des vormaligen Ladenlokals wie beim Umbau oder den hier alltäglichen Abbrucharbeiten mit weißem Gerüstgewebe verhangen ist. Zugleich erinnert der Staubschutz aber auch an…

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