Ausstellungen: Antwerpen , 1994

Jochen Becker

Dennis Adams

»Trans/Actions«

MUHKA, Antwerpen, 12.3. – 29.5.1994

Dennis Adams, nordamerikanischer Künstler und Wartehäuschen-Dekonstrukteur, traf vor zwei Jahren auf Jean-Claude Decaux, Hersteller international verbreiteter Automatenklos und Quasi-Monopolist urbanen Mobiliars. Haben sie sich über das Blaulicht in den neuen Toiletten unterhalten, so daß Fixer ihre Venen nicht mehr finden, oder darüber, wie Dennis Adams in Marseille eine Decaux-Bushaltestelle als Projektionsfläche umnutzte, um im populären Hafenbereich auf die touristisch ausgeblendeten Hochhausburgen weiter nördlich hinzuweisen? J.-C. Decaux-Objekte zahlen sich aus durch rückbeleuchtete Werbetransparente; Adams-Arbeiten nutzen diese Werbeflächen zur Plazierung lokaler Sozialgeschichte. Allerdings zeigten sich die Sponsoren Degussa, Philip Morris, Winterthur Versicherung, Kredietbank und Belgoposter in Antwerpen mehr als nur kenntlich. Und so holte die Werbung den Künstler wieder ein, der sich ihrer Reklameträger bedienen möchte.

Etwas abseits der touristischen Route gelegen, ist die letztjährige Kulturhauptstadt Europas Vorposten eines neuen Sozialverfalls, welchen man aus Belfast, Lyons Vorstädten oder Sankt Petersburg vernimmt. Ein riesiger Platz zwischen dem Antwerpener Museum für zeitgenössische Kunst MUHKA und dem der Schönen Künste liegt brach und endet in einem ungepflasterten Nichts aus Erde, Unkraut und Müll. Straßencafés, flämische Häuser mit ihren einladend großen Fensterflächen und vereinzelte Stadtverwaltungsbauten säumen den nur lose gefüllten Park-Platz, von dem aus man über den nahen Autobahnring schnell entfliehen kann. Hier regiert der faschistische „Vlaams Blok“ mit einer Stimmenzahl, die in etwa die Migranten dieser Hafenstadt hätten, dürften sie denn wählen. So nennt Dennis Adams seine für Antwerpen entwickelte Arbeit „Einer von Vier“; ein gebräuchlicher Slogan, der das lokale Wählerverhältnis für die Neonazis wiedergibt.

Drei der in Reihe aufgeständerten Werbeplakate…

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von Jochen Becker

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