Gespräche mit Künstlern , 1994

Elke Krystufek:

»Der weibliche Körper und der männliche Blick«

Ein Gespräch von Peter Nesweda über ihre Performance bei der Ausstellung »Jetztzeit« in der Kunsthalle Wien

(s. a. die Besprechung von Christian Kravagna im Teil »Ausstellungen«)

Das Konzept, das die Kuratorin der Ausstellung „JETZTZEIT“, Saskia Bos, die die Amsterdamer „Stichting de Appel“ leitet, ausgewählt hatte, war relativ einfach: Sechs österreichische Künstler, die sie für wichtig und interessant befunden hatte, sollten sechs Künstler aus dem Ausland einladen, um österreichische Kunst sozusagen „in einem internationalen Spannungsfeld“ zu zeigen. Das Ergebnis wurde von der lokalen Presse mit mäßiger Begeisterung aufgenommen und hätte sicherlich keine großen Diskussionen ausgelöst, hätte nicht die jüngste Teilnehmerin der Show, Elke Krystufek, mit ihrer Performance zur Eröffnung manche Gemüter in Wallung gebracht. Krystufek, 1970 in Wien geboren, hatte sich als Partner die US-Rock-Kultfigur Kim Fowley ausgewählt. Fowley, „The Corruptor of Rock`n Roll“, war aber wegen eines gegen ihn laufenden Gerichtsverfahrens am Kommen verhindert – angeblich war er in eine Straßenschlägerei verwickelt gewesen und wegen Körperverletzung angezeigt worden -, also war Elke Krystufek zu ihm hingeflogen und hatte ein Video des Stars aufgezeichnet. Der Ort, wo die Performance stattfand, war ein überdimensionales Badezimmer mit gekachelten Wänden, einer funktionierenden Badewanne, Toilette, Waschbecken, Spiegelschrank, ein „Intimraum“ sozusagen, dem durch den auf einem Wandbord angebrachten Fernseher, eine Kaffeemaschine und eine Stereo-Anlage eine „wohnliche Note“ hinzugefügt wurde. Nach den üblichen Eröffnungsreden und einer kurzen Lesung von Bizhan Bassiri, eines in Rom lebenden persischen Künstlers, den Franz West eingeladen hatte, begann sich Elke Krystufek in ihrem „Spielraum“, wo bereits das…

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von Peter Nesweda

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