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Ausstellungen: Wiesbaden · S. 380 - 381
Ausstellungen: Wiesbaden , 1989

Dirk Schwarze
Dorothee von Windheim

Museum, 10.9.-19.11.1989

In der Eingangshalle des Museums Wiesbaden plätschert, ganz untypisch für die deutschen Häuser der Kunst und Kultur, ein kleiner Brunnen. Auch in diesen Wochen hört der hereinkommende Besucher bereits von weitem das Glucksen und Schlagen des Wassers. Gelegentlich mischt sich in diese Bewegungsgeräusche der ferne Klang vorbeifahrender Schiffe – Motorenlärm und das gelegentliche Tuten. Erreicht der Besucher den Brunnen, findet er ihn trocken. Statt des fließenden Wassers sieht er auf der Brunnenschale ein Wasserbuch – Fotos von den Fluten des Rheins, in denen ein Buch treibt und versinkt; die Wellengeräusche, die parallel zu den Fotos aufgenommen wurden, kommen aus einem verborgenen Lautsprecher.

Es handelt sich um die „Venedig-Arbeit“, die Dorothee von Windheim (Jahrgang 1945) zur Biennale 1984 schuf. Im Museum Wiesbaden bildet die Installation ein vielversprechendes Entree zu einer außerordentlich großzügig und feierlich inszenierten Retrospektive der Arbeiten der in Köln lebenden Künstlerin, die seit dem Sommer dieses Jahres eine Professur an der Gesamthochschule Kassel innehat. Mit ihrer „Venedig-Arbeit“ holt Dorothee von Windheim den an Wiesbaden vorbeifließenden Rhein in die Ausstellung. Gleichzeitig verknüpft sie unmerklich die unter einem Dach vereinten (und doch getrennten) naturwissenschaftlichen und Kunst-Sammlungen.

Diese Arbeit ist ein Schlüssel zum Werk der Künstlerin, die sich als Malerin begreift, obwohl sie seit bald zwei Jahrzehnten im traditionellen Sinne nicht mehr malt: Die Wasserfotos zeigen jeweils ein in den Wellen versinkendes Buch, das sich auf Venedig bezieht – Venedig, die Stadt am und im Wasser, die bewunderte Schönheit, die verkommt und verfällt und vom völligen Untergang bedroht ist….


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