Magazin: Publikationen , 1994

Heinrich Klotz:
Kunst im 20. Jahrhundert. Moderne, Postmoderne, Zweite Moderne

Die Fabel vom Hasen und dem Igel ist womöglich auf die schnellebige Kunstepoche des 20. Jahrhunderts gemünzt. Mit jedem Ismus verschnellerte sich der Stilwechsel, mit jeder neu definierten Kunsthaltung wurde auch die Avantgarde als die Vorhut von gestern entlarvt. Der schnelle Alterungsprozeß der aus dem luftleeren Raum gezauberten Künste mußte schließlich mißtrauisch auf eine Moderne machen, die jeweils nur das als zeitgemäß anerkannte, was der jüngsten up-to-date-Variante entsprach. Mit dem schließlich neu erwachten Fin-de-siè-cle-Endzeitgefühl der Postmoderne schien sich der Prozeß zu verlangsamen, oder gar durch die finale Beschleunigung zum Ende zu kommen. Oder bereits: gekommen zu sein. Von der Kunst nach dem Ende der Kunst ist die Rede. Doch vom Ende der Postmoderne zu sprechen ist allerdings neu. Und eben damit überrascht uns Heinrich Klotz: der Gründer des deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, der 1989 mit dem Aufbau des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie in Karlsruhe betraut wurde, blickt bereits auf die Postmoderne zurück! Und verkündet die „Zweite Moderne“! Wieder einmal rennen wir wie der Hase dem schnellen Igel hinterher. Denn wir müssen bitter erkennen, daß auch die Postmoderne schon Vergangenheit (!) ist. Doch was war die Postmoderne? Für Heinrich Klotz stellt sich das ganze Problem relativ einfach dar: „Die Postmoderne war, wie sich gezeigt hat, keine Nachmoderne, sondern `Revision der Moderne‘. Aus der Postmoderne geht hervor, was sie im Kern schon war – eine Zweite Moderne.“ Also nur ein neuer Begriff für das gleiche Phänomen? Offenbar doch nicht. Heinrich Klotz nennt Roß…

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von Martin Blättner

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