Ausstellungen: München · von Jolanda Drexler · S. 298
Ausstellungen: München , 2017

Ich ist eine Ego- Maschine

Was ist Bewusstsein? Aktuelle Positionen aus Kunst und Wissenschaft

Eres-Stiftung 12.10.2016 – 04.03.2017
von Jolanda Drexler

Seit jeher hat der Austausch zwischen den Antipoden Wissenschaft und Kunst fasziniert, doch nie war das Thema angesagter als heute, in einer Zeit schier unbegrenzter technischer Möglichkeiten, in welcher der Computer in alle Lebensbereiche vordringt – selbst Universitäten und Kunstakademien überbieten sich an Vorträgen, die diese Schnittstelle beleuchten. Ebendiesen Dialog von Naturwissenschaft und Kunst hat sich die Eres-Stiftung schon seit ihrer Gründung im Jahr 2004 auf die Fahnen geschrieben – mit dem Ziel, sinnliche Erkenntnis zu ermöglichen, explizit: wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Mitteln der Kunst frei und assoziativ zu erschließen. So entstand in fruchtbarer Kooperation von Naturwissenschaftlern und Kunsthistorikern eine Reihe von interessanten, zunehmend ökologisch konnotierten Ausstellungen zu Megastädten, Klimaforschung, Plastik, Sand-Raubbau etc.

Die aktuelle Ausstellung der Eres-Stiftung widmet sich dem überaus spannenden Thema Bewusstsein, angeblich dem letzten Rätsel der Wissenschaft. Traditionell bei den Geisteswissenschaften angesiedelt, sind jetzt die Neurowissenschaften mit bahnbrechenden Erkenntnissen tonangebend. Im hochkontroversen Diskurs herrscht Grundkonsens darüber, dass es sich beim Bewusstsein um ein äußerst komplexes Zusammenspiel von Neuronen, um eine gigantische Rechenleistung im Gehirn handelt. Der etwas reißerische Ausstellungstitel „Ich ist eine Ego-Maschine“ komprimiert neueste Forschungsergebnisse: Das Ich-Bewusstsein ist eine Erfindung des Gehirns, rein virtuell also, so der Neurophilosoph Thomas Metzinger. Diese Ich-Illusion ist notwendig, um uns als nur einen Körper in einer einheitlichen Welt wahrzunehmen und damit zur Interaktion und Kommunikation zu befähigen. Einige Neurowissenschaftler werten dieses vom Gehirn erzeugte illusionistische Selbstmodell sogar als künstlerischen…



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