Magazin: Museen & Institutionen · von Andreas Denk · S. 464
Magazin: Museen & Institutionen , 1999

Andreas Denk

Kaum Licht über Weimar

Die Kulturhauptstadt 1999 wird ihrem Ruf gerecht

Schon im Vorfeld ihres Festjahres ist Weimar als Kulturhauptstadt 1999 seiner seit mindestens 150 Jahren immer wieder geschmähten Provinzialität gerecht geworden: So wurde im vergangenen Jahr eine Installation des Franzosen Daniel Buren auf dem bis dahin als Parkplatz verwendeten „Rollplatz“ durch eine Art Volksvotum im Stadtparlament genauso verhindert wie ein ziemlich spaciges mobiles Theater des berühmten französischen Architekten Claude Vasconi.

Auch das internationale Theater- und Kunstprogramm, das der Kulturhauptstadt Intendant Bernd Kauffmann der Kleinstadt verordnet hatte, blieb von Kritik nicht verschont. Insgeheim befürchtete so mancher Ilmstädter eine „Überfremdung“ des Goethe-, Schiller-, Herder- usw. -Orts mit Nicht-Weimarischem, das dem thüringischen Bratwurstduft womöglich eine schrille ausländische Note beigesellen könnte.

Zum eigentlichen Fest indes hat sich die „Kulturhauptstadt“ nicht nur die in den nationalen Gazetten zu Recht umstrittene Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“ geleistet, deren unsensible Präsentation der DDR-Kunst in ihren Folgen bislang kaum absehbar ist. Bis zur Ausführungsreife gelangte auch das bei weitem nicht so anfechtbare, von Ulrich Krempel (Sprengel-Museum Hannover) kuratierte Projekt „Licht auf Weimar. Die ephemeren Medien“. Krempel lud Liz Bachhuber, Eva & Adele, Walter Fähndrich, Jochen Gerz, Wolfgang Laib, Robin Minard, Christoph Rihs, Ute Wrede, Mischa Kuball und Jenny Holzer ein, um in der Stadt – nicht im Museum – künstlerische Arbeiten mit Klang, Licht, Projektion, Videoinstallation und Pflanzungen zu installieren.

Zum Skandalon geriet die Ausstellung nicht, weil nur sieben der künstlerischen Beiträge zum Ausstellungsbeginn zu sehen waren. Auch die Unkenntnis der „Kulturhauptstadt“-Betreuer über die Standorte der Objekte und die Existenz…

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