Magazin: Museen & Institutionen · von Paul Maenz · S. 464
Magazin: Museen & Institutionen , 1999

Offener Brief

Paul Maenz
Augsburger Strasse 21
D-10789 Berlin

Weimar: Aufstieg und Fall der Moderne
III: Die Kunst der DDR

Das Neue Museum Weimar beherbergt etliche hundert Werke meiner Sammlung zeitgenössischer Kunst; Grund genug, gegenüber den Kunstsammlungen zu Weimar und ihrer Leitung Loyalität zu üben.

Dennoch gilt: Die ebenfalls von den Kunstsammlungen zu Weimar verantwortete Ausstellung von Werken aus den Jahren der DDR als Teil der Trilogie „Aufstieg und Fall der Moderne“ unterläuft in Konzeption, Haltung und Präsentation jeden historisch, wissenschaftlich oder ästhetisch haltbaren Anspruch. So geht man mit der Kunst nicht um, mit Künstlern schon gar nicht, und auch nicht mit der eigenen Geschichte; es gibt so etwas wie eine kuratorische Ethik. Diese Ausstellung ist unangemessen und auf jeden Fall denunziatorisch. Ein substantielles Politikum ist sie außerdem.

Mit Vernunft ist den Arrangeuren offensichtlich nicht beizukommen. Das Gespräch in der ZEIT (27. Mai 1999) mit dem Kurator der Ausstellung und dem stellvertretenden Direktor der Kunstsammlungen zeigt, in welchen Sumpf sich die Argumentation inzwischen geritten hat bei dem Versuch, Motive und Zustandekommen zu erklären. Die Äußerungen sind nicht nur zutiefst unwürdig, es wird auch immer toller: Jetzt verlangt der Irrwitz gar „eine Befreiung von der Geschichte des 20. Jahrhunderts“, dem angeblich „kulturell unproduktivsten aller Zeiten“ …

Ich fühle mich Weimar verbunden, seiner Kultur-, aber auch seiner Realgeschichte, nicht zuletzt, weil sie spätestens seit der Wende eine gemeinsame ist. Meine Sammlung moderner Kunst dieser Stadt anzuvertrauen, war – neben dem persönlichen Glück, sie in einem der schönsten deutschen Museumsbauten vereint zu sehen – auch Ausdruck einer, nennen wir…

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