Ausstellungen: Stuttgart/München · von Martin Blättner · S. 430
Ausstellungen: Stuttgart/München , 1993

Martin Blättner

Keith Haring

»Editions on paper 1982 – 1990

Galerie der Stadt Stuttgart, 27.8. – 7.11.1993

Aktionsforum der Praterinsel, München,19.11.1993 – 16.1.1994

Freudensprünge, der Angriff, die Flucht, das Massaker und ein Menschenberg: die scharfen Strahlengeschosse aus fliegenden Untertassen lösen zwiespältige Reaktionen aus. Es irritieren die konformen Gesten der Belustigung, es schockiert der mysteriöse Opfertod, es frappiert die sogleich folgende wundersame Auferstehung einer Kultfigur – letztlich narkotisieren die magischen Wiederholungsriten mit ihren rätselhaften Metamorphosen. Sie entziehen sich der eindeutigen Decodierung, aber nicht den denkbaren Zuordnungen. Der in den Bildfolgen der „Blueprint drawings“ geschilderte Triumph der Außerirdischen läßt offen, ob es sich am Ende um einen verkappten Pyrrhussieg handelt. Was auch immer die Auswertung einer derart subversiv verschlüsselten Hieroglyphik zutage bringt – schon jetzt steht fest: Die Invasion der Fremdlinge und alle weiteren Einfälle entspringen zweifellos der Phantasie einer post-popigen Massenkultur im Medien-Zeitalter. Kein Grund also zur Panik? Amüsieren wir uns lediglich? Keith Haring erkannte frühzeitig, daß die Kunst einer Welt – die am Computer genabelt ist – eine andere sein müsse als die der Moderne bis hin zum Mentor Andy Warhol. Das erstmals im Gesamtüberblick gezeigte graphische Werk des New Yorker Subway-Phantoms verdeutlicht die Geistesverwandtschaft zum Übervater Warhol. Die Gemeinsamkeit ist mit der Anwendung der Vervielfältigungstechnik des Flachdrucks noch nicht erschöpft. Harings eigenständige Pop-„Ikonen“ – wie etwa das krabbelnde Baby oder der kläffende Hund im Strahlenkranz – orientieren sich nicht ganz so vordergründig an den zu Warenwerten degradierten Begehrlichkeiten; gleichwohl passen sich die plakativen Trivialzeichen dem flüchtigen Blendwerk der Großstadtkommunikation an. Die Geschöpfe der Metropolen…

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